Ein Übelstand, der beim Ausreißen gehefteter oder gebundener Bücher aus der Schale sich oft einstellt, ist das Durchreißen eines Stiches, wenn der Zwirn vorher nicht entfernt wurde, und bei der heutzutage angewendeten Drahtheftung tritt dieser Fehler noch häufiger als früher auf. Ist der durch alle Blätter gleichzeitig und an derselben Stelle gehende Riß nur kurz, so läßt man, sofern nicht Blattteile mitweggerissen sind, den Schaden unberücksichtigt; der später eindringende Leim hält die Bogenteile schon zusammen. Ist aber eine Lage fast der ganzen Länge nach aufgerissen, so muß eine Vereinigung der getrennten Blätter stattfinden. Man schneidet zu dem Ende die einzelnen Blätter im Rücken glatt und hängt sie mit schmalen Papierstreifchen zusammen. Nach dem Trocknen werden die Blätter im Rücken wieder zusammengebrochen, ihrer Reihenfolge nach ineinander gesteckt und im Rücken mit dem Hammer etwas niedergeklopft.
Ist ein Band im Rücken so zerstört, daß er in fast lauter einzelne Blätter auseinanderfällt, so muß man die zusammengehörigen Blätter einzeln zusammenflicken, im Rücken und oben gerade und winkelig schneiden und zu Bogen formiert zusammenheften. Je soviel Blätter, als zu einem Bogen gehören, werden dabei im Rücken geradegestoßen und ganz knapp mit einer feinen Nadel und feinem weißen Zwirn überwendlings umstochen. Die Stiche sollen dabei nicht über einen Centimeter voneinander stehen. Dieses Umstechen darf später im fertigen Buche nicht zu sehen sein und daher nur 1½ bis 2 mm breit ins Buch hereingreifen; es darf auch kein einzelnes Blatt zurückstehen. Die gehefteten Lagen werden dann in derselben Weise wie gewöhnliche Bogen behandelt.
Fehlende Ecken, fehlende Blatt- oder Bogenteile müssen möglichst gut ergänzt werden. Da es mitunter schwer fällt, zu altem passendes neueres Papier zu finden, so hilft man sich dadurch, daß man modernes Papier in etwas angefärbtes Wasser taucht, um es in der Farbe dem alten ähnlich zu machen.
Manche alte Bücher sind auch durch Wurmstich und Wasserflecken verunstaltet und verdorben. Diese beim Umbinden in einen einigermaßen guten Zustand zu bringen, erfordert viel Mühe und Sorgfalt. Gegen den Wurmfraß ist meist keinerlei Hilfe vorhanden und man muß sich begnügen, Blatt für Blatt mit einer weichen Bürste auszubürsten, um Hülsen von Insektenpuppen und anderen Schmutz zu entfernen. Sind größere Stücke von den Würmern zernagt, so tritt bei dem Versuche, sie auszuflicken, der Übelstand auf, daß die geflickten Stellen alle übereinander zu liegen kommen, unförmlich auftragen und dem Buch ein schlechtes Aussehen geben. Sofern der Wurmfraß sich an den Rändern findet, läßt sich der betreffende Teil des Blattes ganz abschneiden und durch einen Ansatz ergänzen.
Nicht viel weniger schlimm sind Wasser- und Rostflecken, von denen die Faser des Papieres oft arg angegriffen ist. Ein vorzügliches Verjüngungsmittel ist in diesem Falle das Eintauchen in kochendes, nicht zu schwaches Planierwasser, welches mit viel Alaun und etwas weißer Seife versetzt ist. Dadurch erhält das Papier einigermaßen seinen Zusammenhalt wieder, bleicht etwas aus und die vorhandenen Pilzsporen werden zerstört. Ist das Papier so dunkelbraun, daß es das Lesen des Druckes erschwert, so hilft ein Bad von unterschweflichsaurem Natron; stärker wirkt Chlorwasser, doch muß nach der Chlorbleiche der Band von neuem planiert werden.
Von andern Flecken, welche nicht bloß alte, sondern auch neuere Werke verunzieren und deshalb so gut als möglich ohne Schädigung des Druckes entfernt werden müssen, sind die Tinten- und Fettflecke die am häufigsten vorkommenden.
Frische Tintenflecke entfernt man am besten und ohne Schaden für das Papier durch Abreiben mit einer durchschnittenen Zitrone. Selten genügt dabei eine einmalige Behandlung; indess erwarte man das Abtrocknen des ersten Versuchs, bevor man zu einer Wiederholung schreitet. Ältere Tintenflecke behandelt man mit Kleesalz oder Salzsäure, freilich nicht immer mit Erfolg, denn manche Tintensorte läßt immer eine Spur von Farbe zurück. Eine natürliche Bleichung in der Sonne oder eine Chlorbleiche ist für diesen Fall anzuraten.
Fettflecke werden entfernt, indem man einen Brei von Benzin und angerührter Magnesia von beiden Seiten auf den Fleck aufbringt. Das Benzin bindet das Fett, das Magnesium nimmt dasselbe auf. Man vermeidet bei diesem Verfahren den unschönen Rand, der sich bisweilen durch Vertreiben der Fettteile in die Umgebung des Fleckes bildet. Frische Fettflecke weichen wohl auch, wenn weiches Löschpapier vor und hinter das betreffende Blatt eingelegt und der Bogen unter ein heißes Bügeleisen oder eine heiße Vergoldepresse gebracht wird. Das Löschpapier saugt in diesem Falle das Fett auf.