Wir sprachen bereits oben vom Schlagen der ungefalzten Bogen. Nachdem diese zu Exemplaren zusammengetragen sind, wiederholt sich das Schlagen; es handelt sich aber um eine wesentlich genauere und stärker wirkende Arbeit. Zunächst müssen die Bände in entsprechend starke Lagen zu etwa 20 Bogen abgeteilt werden. Man zählt die Bogen indes nicht ab, sondern greift den Stoß nach dem Gefühl. Will man eine sehr starke Wirkung erzielen, was bei älteren Druckwerken nötig ist, so schlägt man das Buch wiederholt durch, indem man den zu unterst liegenden Bogen nach jedem Schlage obenauf legt und so oft von neuem schlägt, bis der erste Bogen wieder die ursprüngliche Stelle in der Lage eingenommen hat. Da durch das vielfache Umlegen der Bogen und das Angreifen mit den Händen die Schlaglage leicht schmutzig oder unansehnlich wird, muß auf dem Steine eine Unterlage, ein kräftiges Stück Papier, noch besser ein sauberer Glanzdeckel vorhanden sein. Dem Buche selbst legt man oben und unten je einen Bogen Makulatur vor, der das Werk selbst vor Schmutzflecken schützt. Die Linke hält, dreht und wendet das Buch, während die Rechte den Hammer handhabt.
Beim Schlagen ist noch zu beobachten, daß die Schläge zunächst auf den Rändern und dann nach der Mitte zu fallen, und zwar ist am Rande der Schlag stärker zu führen als in der Mitte. Wird die Mitte zu stark getroffen, so bilden sich leicht Falten, die kreuz und quer nach der Mitte zu verlaufen, wie man dies bei alten, auf geschöpftem Papier von ungleicher Stärke gedruckten Werken häufig bemerkt. Der Handwerksausdruck für diesen Fehler ist: das Buch schneidet Gesichter.
Den Hammer führt man am besten, wenn man ihn so weit hebt, daß er nahezu senkrecht über dem Kopf steht, und nicht im Bogen, sondern senkrecht nach dem Stein zu hinabfallen läßt, wobei die Hand den Hammerstiel so dreht, daß die Bahn des Hammerkopfes flach auf das Papier aufschlägt. Es wird auf diese Weise ein wesentlich kräftigerer Schlag bewirkt, als durch das einfache Niederschlagen. Ist das Buch mehrere Male gehörig geschlagen, so stößt man es wieder glatt, was während des Schlagens auch öfter zu geschehen hat, und fühlt zwischen den Fingern der rechten Hand den ganzen Rand ab, um sich zu vergewissern, daß auch alles glatt, gleichmäßig und eben ist; anderenfalls muß durch wiederholtes Schlagen nachgeholfen werden. Nach dem Schlagen wird das Buch fest eingepreßt.
Leichter ist die Arbeit des Walzens. Hier erfolgt das kräftige Zusammenpressen der Bogen nicht mittelst des Hammers, sondern indem man Lagen von 8 bis 12 Bogen zwischen den beiden Cylindern eines Kalanders durchgehen läßt. Es ist zweckmäßig, dabei die Lagen vorher abzuzählen und in der natürlichen Reihenfolge etwas verschränkt übereinander zu legen. Während nun der Kalander in Bewegung gesetzt wird, legt ein Arbeiter zwischen je zwei Zinkbleche eine geradegestoßene Lage und schiebt diese zwischen die Walzen. Bevor die erste Lage die Walze verlassen hat, muß die zweite zum Einschieben schon fertig sein. Es ist ratsam, die Walzlagen ein wenig schräg einzustecken, dabei abwechselnd je eine mehr nach rechts, die andere mehr nach links, um womöglich die ganze Walzenlänge in Anspruch zu nehmen. Wollte man die Lagen parallel mit dem Schnitt einsetzen, so würden die Walzen nicht so glatt greifen, als wenn sie nur eine Ecke zu fassen haben. Sehr zu beachten ist bei diesem Verfahren, daß der Druck der Walzen nicht zu scharf ausfällt. Es ist daher gut, sobald die erste Lage durchgezogen ist, die Wirkung zu prüfen und die Walzenstellung in angemessener Weise zu regulieren. Namentlich ist bei frisch gedruckten Werken größte Vorsicht erforderlich, weil die frische Farbe »abzieht« und bei sehr scharfer Pressung sogar das Zusammenkleben der einzelnen Blätter herbeiführen würde.
Es wird vielfach behauptet, daß ein gewalztes Buch sich auf die Dauer nicht so gut halte wie ein mit der Hand geschlagenes. Das ist ein Irrtum, der darin seinen Grund hat, daß schlecht gewalzte Bücher allerdings weniger gut ausfallen als gut geschlagene. Es kommt eben alles auf die sorgliche Benutzung der Maschine an.
Je besser und fester ein Band geschlagen oder gewalzt ist, desto dauerhafter wird er nachher sein und eine desto bessere Form wird er erhalten und behalten. Gleichwohl dürfen nicht alle Werke in dieser Weise behandelt werden. Bei Bänden, welche Kupfer enthalten, müssen diese vor dem Schlagen oder Walzen herausgelegt, bez. erst nach dem Schlagen eingefügt werden. Bei Werken, die ganz frisch aus der Druckpresse gekommen sind, ist es ratsam, die Bogen mit alter Makulatur zu durchschießen oder sie erst nachtrocknen zu lassen.
Bisher ist nur auf gedruckte Bücher Rücksicht genommen worden. Es ist aber der Vollständigkeit halber erforderlich, auch der für Schreibzwecke dienenden, mit Liniaturen und sonstigem Vordruck versehenen Bücher (Handlungsbücher, Notizbücher etc.) zu gedenken.
Früher war es notwendig, die liniierten Bogen einzeln zu falzen, und dann in entsprechender Anzahl zu Lagen ineinander zu stecken. Heute, wo die vervollkommneten Druck- und Liniiermaschinen mathematisch genaue Formulare liefern, kann in den meisten Fällen lagenweise gefalzt werden. Ausgeschlossen sind dabei die mit sogenannten durchgehenden Liniaturen versehenen Bogen, bei denen Linie auf Linie genau passen muß. Aber auch hier ist die Arbeit eine wesentlich leichtere als früher. Werden die Bogen einzeln gefalzt, so gilt die sogenannte Kopflinie als Richtschnur; die Bogen werden zusammengeschlagen, Kopf auf Kopf genau gerichtet, und der Bruch niedergestrichen. Sodann steckt man die Bogen so ineinander, daß sie am oberen Rande genau in einer Fläche stehen. Ist die Liniatur auf halbe oder Viertel-Bogen eingerichtet, so wird das Papier vorher auseinandergeschnitten. Es sei noch bemerkt, daß man, wenn man genötigt ist, die Bogen einzeln einzustecken, dafür sorgen muß, daß die Bogen recht fest im Rücken ineinander stecken, da sonst die geheftete Lage in ihren einzelnen Teilen beim Gebrauch bald lose werden würde. Das beste Mittel dagegen ist, daß man jede Lage nach dem Einstecken im Rücken mit dem Falzbein, besser mit einem dünnen, hölzernen Lineal fest einklopft. Dazu hält die Linke die etwas geöffnete Lage in der hohlen Hand, während die Rechte mit Falzbein oder Lineal im Rücken klopft.
Nachdem die Lagen durch Einstecken gebildet worden sind, werden sie sämtlich geradegestoßen, mit dem Rücken an die vordere Tischkante gelegt und jede einzeln mit dem Falzbein im Bruch kräftig nochmals hin und her niedergestrichen, wobei man sämtliche Lagen mit dem Daumen der linken Hand etwas hebt und jede einzeln abschnellen läßt. Nach dem Falzen wird das Ganze einige Zeit eingepresst. Überdrucktes oder nicht liniiertes Schreibpapier wird in derselben Weise behandelt, nur richtet man sich beim Zusammenbrechen der Lage nach den Rändern.
Es erübrigt noch, des Falles zu gedenken, in welchem es sich um das Einbinden von bereits gehefteten oder um das Umbinden von gebundenen, schon im Gebrauch gewesenen Büchern handelt. Bei den letztgenannten muß, nachdem die Decke abgerissen worden, zunächst am Rücken der alte Klebstoff entfernt werden, was am besten durch Überstreichen mit heißem Wasser oder durch Auftrag einer dichten Lage Kleister geschieht. Nachdem die Feuchtigkeit einige Zeit eingewirkt hat, wird das überklebte Papier, Leder oder Stoff, abgelöst, der Leim so gut als möglich mit einem stumpfen Messer abgekratzt und die Bogen ihrem Zusammenhange nach einzeln abgelöst. Dies geschieht am besten, indem man die Fadenlagen über den Bünden mit dem Messer zerschneidet; man hat dann später nur nötig, die Fäden im Inneren des Buches zu entfernen, um den Bogen gut abheben zu können.