In neuerer Zeit hat man auch dieses Verfahren noch vereinfacht. Man schneidet, genau in der Dicke der zu verarbeitenden Karten oder Tafeln, Streifen, je nach der Größe des Formates ½ bis 2 cm breit. Außerdem schneidet man, je nach der Stärke der Tafel, Papier- oder Leinwandfälze von ähnlicher Farbe, doppelt so breit als diese Einlagestreifen, und noch um so viel breiter, wie für das Anhängen der Karten notwendig ist. Der Stoff- oder Papierstreifen wird ganz angeschmiert, zwei Einlagestreifen nebeneinander in der Mitte, daran anstoßend die Karte aufgeklebt. Auf diese Weise legen sich die Tafeln sehr gut auf und der Band erhält die größte Haltbarkeit.
Wir haben noch einer Art der Behandlung des Buches im Rohzustande zu gedenken, die überall, wenn auch nicht gerade häufig vorkommt: das ist das Durchschießen des Buches mit Papier, das zu Bemerkungen, Zusätzen u. s. w. dienen soll. Zunächst ist dabei für ein Papier zu sorgen, das dem des Werkes in der Farbe, besonders aber in Bezug auf das Format möglichst nahe kommt oder das sich beim Zerschneiden gut auf das Format einteilen läßt.
Das Papier wird in Doppelblätter zerschnitten; außerdem wird für jede Bogenmitte ein einzelnes Blatt gebraucht, das in derselben anzukleben ist. Sind alle Bogen mit dem innersten Blatt versehen, so beginnt das Einstecken der weißen Doppelblätter. Diese selbst müssen in der Mitte zusammengebrochen und danach wieder offengelegt werden; es kann dies in Lagen bis zu 6 Bogen geschehen, wobei der Bruch möglichst scharf niederzustreichen ist. Nun legt man die beiden offengelegten Lagensorten, Druck- und Durchschußpapier, vor sich auf den Tisch, Druck rechts, Papier links, und steckt das zusammengeschlagene innerste Blatt des Druckbogens in ein weißes Blatt, dieses in ein Blatt Druck und wechselt mit Druck- und weißem Papier ab, bis man das äußerste Blatt des Druckes außen um die Lage schlägt. Je einer um den anderen Bogen erhält dann noch ein weißes Blatt als äußeren Umschlag, damit auch zwischen den einzelnen Bogen sich Durchschußblätter befinden. Dies Verfahren ist dasselbe bei allen Formaten. Man achte nur besonders darauf, daß man nichts durcheinander bringt, damit der Bogenzusammenhang nicht zerstört oder die Bogen selbst durcheinander geworfen werden.
Bei dieser Gelegenheit wollen wir nachholen, was schon früher zu besprechen gewesen wäre, wenn wir den genauen Geschäftsgang eingehalten hätten. Ehe die einzelnen gefalzten Bogen eines Buches zum Heften gegeben werden, hat man sich zu überzeugen, daß alle Bogen in der richtigen Reihenfolge zusammenliegen, d. h. das Buch wird kollationiert. Dem Kollationieren voraus geht das Zusammentragen der Bogen, sofern eine Auflage oder ein Teil einer Auflage in rohem Zustande, jeder Bogen in einer bestimmten Anzahl, von der Druckerei geliefert und es dem Buchbinder überlassen wird, die Bogen zu Exemplaren zusammenzutragen. Das Zusammentragen wird erst vorgenommen, nachdem die Bogen gefalzt und auch anderweitig zum Heften vorbereitet sind. Man bildet dann Stöße von je 50 Bogen und setzt dieselben in der Reihenfolge der Signatur auf einem Tische nebeneinander.
Das Zusammentragen findet nun statt, indem man an dem Stoße mit den letzten Bogen beginnt und mit den mittleren Fingern der rechten Hand den obersten Bogen vom Stoß abzieht; die linke Hand nimmt denselben als untersten auf, dann folgt der nächste (vorletzte) Bogen, bis der erste Bogen mit dem Titel als oberster den Beschluß macht. Das fertig zusammengetragene Buch wird nun gleichgestoßen und gewöhnlich sofort von einem zweiten Arbeiter auf die Richtigkeit der Bogenfolge und der Vollständigkeit hin geprüft oder, wie der technische Ausdruck lautet, kollationiert.
Zum Zweck des Zusammentragens hat man in größeren Werkstätten einen drehbaren, runden Tisch, der mittelst einer Triebkraft bewegt wird, und auf dem dann die Bogen aufgeschichtet werden; diese Einrichtung hat sehr wesentliche Vorteile, da der Arbeiter auf seinem Platze stehen bleiben kann, so daß er weniger ermüdet wird, während anderseits eine größere Anzahl Arbeiter, die den Tisch umstehen, sich an der Arbeit beteiligen können.
Beim Kollationieren werden die zusammengetragenen Bogen von der rechten Hand am oberen Rande erfaßt. Die linke Hand läßt dann, das Buch unten am Rücken fassend, Bogen für Bogen unter dem Daumen her weggleiten, während das Auge die Reihenfolge sowie die richtige Stellung der Bogenzahlen (Signaturen) beobachtet ([Fig. 9]). Der Handgriff des Abgleitenlassens der Bogen wird dadurch sehr erleichtert, daß man den ganzen Pack etwas nach hinten biegt und dadurch die vorderen Bogen in eine gewisse Spannung bringt, wodurch sie kräftig Bogen für Bogen zurückschnellen.
Fig. 9. Das Kollationieren.
Bei aufgeschnittenen Werken und in allen Fällen, wo die Befürchtung vorliegt, daß die einzelnen Bogen durcheinander gekommen sind, genügt es selbstverständlich nicht, nur die Bogen zu kollationieren. Solche Werke müssen Blatt für Blatt nach den Seitenzahlen durchgesehen werden. Dies geschieht am besten mit Hilfe einer Nadel oder der Spitze eines Messers, mit der man die Blätter hebt, während die Fingerspitzen der linken Hand Blatt für Blatt aufgreifen. Das Buch wird dabei flach auf den Tisch und die linke Hand mit dem Ballen mitten darauf gelegt, so daß die Fingerspitzen für die ihnen zugedachte Arbeit frei sind.