Wie schon früher ([S. 41]) erwähnt, hat man in neuerer Zeit versucht, die Arbeit des Heftens durch Maschinen besorgen zu lassen. Die Drahtheftmaschine ist jetzt allgemein im Gebrauch, aber nur für die Massenproduktion bei Broschüren und ganz geringen Einbänden anwendbar. Ihre Einrichtung zeigt [Fig. 13]. Die Fadenheftmaschinen, deren verschiedene in den Verkehr gebracht worden sind, haben sich nicht bewährt. Es gibt indes auch Fadenheftvorrichtungen, die sich für den Kleinbetrieb eignen. Eine solche, von dem Buchbinder Schröder in Oppeln erfunden, bietet manche Vorteile, leidet aber an dem Übelstande, daß der Bund erst nachträglich eingezogen werden kann, die Sägeschnitte daher sehr weit sein müssen und infolgedessen mehr Leim, als gut ist, in den Buchrücken eindringt; eine andere Maschine derart ist erst ganz kürzlich von dem Buchbinder Carl Grundig in Görlitz zum Patent angemeldet und der vorigen sehr ähnlich.

Auch für die Arbeit des Einsägens gibt es in großen Buchbindereien maschinelle Vorrichtungen, deren Beschreibung wir uns ebenfalls ersparen können.

Die nächste Behandlung, der der Buchkörper, wenn es sich um einen Halbfranzband oder einen anderen besseren Einband handelt, unterworfen wird, ist die Rundung des Rückens. Ehe diese vorgenommen wird, muß der Rücken trocken geworden sein; er darf sich nicht mehr klebrig anfühlen, aber auch noch nicht alle Feuchtigkeit verloren haben, damit die Lagen beim Runden nicht voneinander brechen. Im Notfalle muß der Rücken mit einem Schwamme wieder etwas gefeuchtet werden.

Zum Rundklopfen des Buchrückens bedient man sich eines Hammers. Man legt dabei den Band quer vor sich, den Vorderrand nach dem Körper zu gerichtet, und klopft vorsichtig den Rücken herüber, während der Daumen der linken Hand sich gegen den Vorderschnitt stemmt und die übrigen Finger den oberen Teil des Rückens seitwärts herüberzerren. Man muß sich dabei hüten, den Falz des Buches zu stark mitzunehmen und den Rücken stärker zu klopfen, als gerade notwendig ist. Ist die eine Seite des Rückens genügend rund, so wird das Buch gewendet und von der anderen Seite in derselben Weise behandelt. Das Wenden geschieht so oft, wie zur Erreichung einer guten Rundung erforderlich ist, und dies ist der Fall, wenn die Rundung etwa dem dritten Teile eines Kreisbogens entspricht, dabei aber, und das ist die Hauptsache, weder Buckel noch Ecken zeigt und oben wie unten ganz gleichförmig ist. Hat der Band die richtige Form erlangt, so wird er zwischen zwei Brettern in die Presse gesetzt; die Bretter stehen so weit vom Rücken ab, daß ein schmaler, hinten wie vorn ganz gleichbreiter Falz entsteht. Die Breite dieses Falzes richtet sich nach Größe und Dicke des Buches, oder, richtiger gesagt, nach der Stärke der zur Verwendung kommenden Deckel, die ja von der Buchgröße abhängt. Der Falz darf eher etwas kleiner, als notwendig, sein, nie größer, da sonst das Buch plump ausfällt und weniger haltbar wird.

Fig. 14 u. 15. Prüfen und Nachrichten abgepresster Bücher.

Diese Arbeit heißt das »Abpressen des Buches«, und durch ihre sorgfältige Ausführung ist die Güte und Dauerhaftigkeit des Einbandes hauptsächlich bedingt.