Zu gutem Abpressen gehört

  1. daß die beiden Endbogen am Vorderschnitt genau parallel und in gleicher Höhe stehen,
  2. daß die Preßbretter am Rücken an beiden Seiten in genau gleicher Höhe stehen,
  3. daß der Oberschnitt am Rücken sowohl wie vorn mit den Seiten rechtwinkelig steht,
  4. daß die Rundung des Buches oben wie unten die gleiche ist.

Um sich zu überzeugen, daß ein Band zum Abpressen gut eingestellt ist, wird die Presse mit beiden Balkenenden auf den Tisch gestellt, etwas gegen den Arbeiter zu geneigt und von diesem über die Rückenflächen hin verglichen und geprüft. ([Fig. 14].) Dann richtet man die Presse auf und prüft die winkelige Lage der Oberschnitte, indem man das Auge in deren Höhe bringt und — gewissermaßen zielend — jedes einzelne Buch auf seine Lage prüft ([Fig. 15].) Bei jedem Geraderücken hat man dann wieder zu prüfen, ob die anderen Bände nicht etwa verschoben wurden.

Das Abpressen der Bände hat nicht allein den Zweck, die Rundung des Rückens zu sichern, sondern auch, wie bereits oben bemerkt, den Raum für den anzusetzenden Deckel zu schaffen. Dazu dient der sog. Falz, d. h. die an beiden Längsseiten des Rückens durch das Herüberbiegen des letzteren entstehende Kante.

Fig. 16. Cachiereisen.

Um den Falz in der erwünschten Schärfe herüberzutreiben, bedient man sich wieder des Hammers, mit dessen spitzer Schlagfläche die äußeren Lagen seitlich über die Kanten der Preßbretter hinausgetrieben werden. Die Schläge sind dabei parallel der Rückenrichtung zu führen, da sich die Bogen sonst stauchen und in dem Buche Quetschfalten entstehen würden, die man nicht wieder beseitigen kann. Es handelt sich bei diesem Vornehmen nur um die ersten, bez. die letzten 5 bis 6 Bogen, da die mittleren von selbst folgen und deshalb nicht geklopft zu werden brauchen. Man macht das Papier fügsamer, wenn man den Rücken, bevor man ihn mit dem Hammer behandelt, etwas einkleistert; dadurch weicht der Leim auf, die Bogen geben besser nach, platzen nicht voneinander, und die etwa entstehenden Lücken werden sofort wieder mit Klebstoff ausgefüllt. Zum schärferen Herübertreiben des Falzes bedient man sich auch wohl besonders zugerichteter Bretter, die auf der hohen Kante mit einer in der Mitte ausgekehlten Eisenschiene versehen sind, so daß die Fälze sich stärker, als im rechten Winkel herüberlegen müssen. In England und Frankreich wird jedes Buch einzeln abgepresst, und zwar ohne vorheriges Einkleistern; haben Rücken und Falz ihre Form erhalten, so kommt das Buch sofort mit anderen in eine Presse zwischen Bretter, und der Rücken wird dann erst eingekleistert und mit der Spitze des Hammers abgerieben. In England reibt man den Rücken auch wohl mit einem ausgehöhlten Stück Buchsbaumholz ab, um die Rundung recht glatt und gleichmäßig zu machen. Eine ähnliche Vorrichtung findet sich bei uns noch in dem sog. Cachiereisen, einem kurzen, nach beiden Seiten breit abgeflachten Eisen, dessen eine Seite in der Form des Buchrückens ausgerundet ist und zum Abreiben dient, dessen anderes Ende dagegen gerade und mit stumpfen Zähnen versehen ist, mit denen man den Falz herüberklopft ([Fig. 16]). Dies Werkzeug kann in der Hand eines ungeschickten Arbeiters für den Einband leicht verhängnisvoll werden, da mit demselben sehr leicht der Zwirn zerstört und Löcher und Falten in das Buch geschlagen werden können.

Die abgepressten Bände werden zu Stößen vereinigt, wieder eingepresst und dann in der bereits angeführten Weise gekleistert und abgerieben.

Fig. 17. Scharf abgepresstes Buch.