Fig. 23. Beschneidemaschine mit Hebelwerk von Dietz & Listing in Leipzig.
Fig. 24. Beschneidemaschine mit Schwungrad von Dietz & Listing in Leipzig.
Um den Band oben und unten zu beschneiden, wird derselbe mit dem Falz an die Kante eines Brettes angeschoben, zum Schutze des oberen Falzes aber ein genau rechtwinkeliges, kräftiges Stück Pappe aufgelegt, und zwar so, daß es genau mit der Stelle abgleicht, an welcher der Rand abzuschneiden ist. Es ist Gebrauch, den Unterschnitt vor dem Oberschnitt zu machen, und es genügt beim Maschinenschnitt, den oberen Rand am Sattel anzustoßen und diesen auf die Buchhöhe einzustellen. Auch kann die obere Pappe zum Schutze des Falzes an den Pressbalken angeklebt, oder eine ähnliche Vorrichtung angeschraubt oder mittelst Federn angeklemmt werden. Dieses Anstoßen am Sattel ist jedoch nur dann thunlich, wenn es sich entweder um ein Buch mit gefalzten Bogen handelt, oder um einen Band, der oben zuverlässig rechtwinkelig abgeschnitten wurde. Anderenfalls muß erst der rechte Winkel genau vorgezeichnet werden. Dieses kann geschehen an einem vorgelegten Winkel her mit Bleistift. Ein einfacheres Verfahren ist es, wenn man das erste Blatt des Buches in der Mitte leicht zusammenbiegt, den Vorderrand mit dem Falz geraderichtet und in der Nähe des Rückens mit dem Messer da einen Einstich macht, wo das Schneidemesser einsetzen soll; legt man das Blatt wieder flach, so hat man am Rücken und am Vorderschnitt je eine Marke; eine dieselben verbindende Linie muß mit dem Rücken und dem Vorderschnitt im genauen rechten Winkel stehen, vorausgesetzt, daß diese selbst genau parallel sind. Diesen Marken nach wird das Buch eingesetzt und beschnitten.
Der Oberschnitt wird in der Maschine in allen Fällen angestoßen, da er dem unteren parallel werden muß.
Beim Beschneiden mit dem Hobel ist das Verfahren dasselbe, nur fällt das Anstoßen am Sattel fort, und das genaue Abrichten des Buches muß genügen. Erleichtert wird hier das Einsetzen noch durch das Auflegen einer genau winkelig geschnittenen Pappe, insbesondere wenn auf diese Auflegepappe eine zweite so aufgeleimt ist, daß dieselbe hinter dem Pressbalken an diesen anstößt. Man hat dann nur nötig, Unterlagsbrett, Buch und Auflegepappe so einzusetzen, daß die letztere von hinten mit dem Absatz gegen den oberen Pressbalken anstößt.
Zur Herstellung glatter und guter Schnittflächen sind scharfe Schneidemesser die erste Vorbedingung. Neuerdings werden in Fachzeitschriften alle möglichen Vorrichtungen angepriesen, welche das Einreißen an Kapital und Vorderschnitt verhindern sollen. Sie leisten vielleicht, was man erwartet, sind aber meist überflüssig, wenn nur das Werkzeug gehörig scharf, der Rücken nicht überrundet und der Falz nicht allzugroß ist.
In bezug auf besondere Fälle ist noch einiges über das Beschneiden zu bemerken. Es kommt häufig vor, daß Tafeln, Karten, Fälze, Photographien im Buche selbst Lücken verursachen, die beim Beschneiden Unannehmlichkeiten im Gefolge haben können, da das beste Messer da einreißen kann, wo das zu Beschneidende nicht unter Druck steht. Es ist deshalb notwendig, solche Stellen durch Einlagen von Karton oder Makulatur auszufüllen; diese Einlagen müssen vor dem Beschneiden eingelegt und erforderlichen Falles leicht befestigt werden, damit sie während der ganzen Arbeit des Bindens im Buche bleiben; später werden sie selbstverständlich herausgenommen.