Fig. 27. Zierschnitt, farbig ausgemalt, von einer Kölnischen Bibel, 17. Jahrh.

ZWEITER ABSCHNITT.
Der Buchschnitt und die weitere Bearbeitung bis zur äusseren Verzierung.

1. Der Buchschnitt und seine Verzierung.

Älteste Schnitte. — Neuere Schnitte. — Sprengschnitte, Kleisterschnitte, Farbschnitte. — Marmorschnitte. — Der Goldschnitt. — Doppelschnitte. — Verzierte Goldschnitte, ziselierte und bemalte Schnitte. — Das Kapital. — Älteste Kapitale, neuere Kapitale, unser jetziges Kapital, orientalisches Kapital.

Von gewöhnlichen Schulbüchern geringen Umfangs abgesehen, wird bei fast allen Büchern der Schnitt ringsum gefärbt oder vergoldet, da weißer Schnitt leicht schmutzt.

Die frühesten Schnitte an gebundenen Büchern sind einfarbig, meist zinnoberrot oder auch gelb. Der Goldschnitt kommt zuerst im 16. Jahrhundert auf, in der Regel schon als Zierschnitt, d. h. die vergoldete Fläche wurde unter Anwendung der Punze mit einem meist linearen Ornament versehen. Man begnügte sich indes nicht immer mit dieser einfachen Ornamentierung, sondern nahm auch die Farbe zu Hilfe, schabte die farbig zu behandelnden Stellen aus und malte mit dem Pinsel die Verzierung hinein. Diese Behandlung der Schnittfläche steigerte sich bei besonders kostbaren, bez. zum Gottesdienst bestimmten Werken nicht selten bis zu den herrlichsten Kunstleistungen, mit denen der berufsmäßige Maler dem Buchbinder ebenso zu Hilfe kam, wie anderseits der Goldschmied bei der Verzierung des Deckels mit dem Silberbeschlag.

Fig. 28. Frühitalienischer Zierschnitt mit Flechtwerk.