Der so gewonnene Grund arbeitet am besten am dritten Tage für dichten Farbenauftrag, nach dem fünften Tage für leichtere Marmorarten mit feinen Adern. Benutzt man Gummitragant, so wird im gleichen Verhältnis wie vorhin kaltes Wasser darübergegossen und bleibt bis zur Auflösung des Gummis stehen, doch muß die Flüssigkeit öfters, am besten durch Quirlen, durcheinander gerührt werden. Erst wenn alle Teile gelöst sind, kann man die Masse verwenden. Seiht man den Grund von den noch nicht ganz gelösten Teilen ab, so kann man ihn früher benutzen, während der Rückstand zur weiteren Lösung wieder zurückgeschüttet wird. Am besten ist der Tragantgrund nach dem fünften Tage, bis zu welchem er fortwährend nachdickt. Tragant bleibt länger brauchbar als Caragheenmoos, ist aber etwas teurer.

Das Wasser, welches den genannten Stoffen zugesetzt wird, muß weich sein; am besten ist Regen- oder destilliertes Wasser.

Fig. 40. Marmorierkasten mit Zubehör. (Wilh. Leo in Stuttgart.)

Zur Aufnahme des Grundes während der Arbeit dient ein etwa 4 cm tiefes Becken von Zinkblech, das so lang ist, daß man selbst das längste Buch noch bequem eintauchen kann, und so breit, daß man so viele Bücher eintauchen kann, als man mit der geöffneten Hand zu fassen im stande ist. Das Verhältnis von 20 zu 50 cm dürfte vollauf ausreichen. An einem der schmalen Enden lasse man eine kleine Abteilung anbringen, welche den Farbenrückstand von jeder einzelnen Farbenschicht aufnimmt, der nach jedesmaligem Gebrauch entfernt wird. Damit dieses Entfernen der Oberfläche bequem zu bewerkstelligen sei, wird die Scheidewand zwischen beiden Abteilungen schräg eingesetzt, wie aus unserer Abbildung ([Fig. 40]) eines vollständigen Marmorierapparates zu ersehen ist. Um die große Abteilung bequem entleeren zu können, empfiehlt es sich, eine kleine Abzugsröhre seitwärts anbringen zu lassen, welche während des Gebrauchs mit einem Korkstopfen verschlossen bleibt.

Man muß so viele Farbennäpfe zur Hand haben, als man Farben anwendet. Die Näpfe sollen einen oberen Durchmesser von 8 cm haben, innen recht rund sein, damit sich die Farbe nicht in Ecken einsetzen kann und stets nach der Mitte zu läuft. Zu jeder Farbe fertigt man sich einen Pinsel von Reiswurzel, welches Material bei jedem Bürstenmacher käuflich ist, indem man um einen runden, hölzernen Stiel in Länge und Dicke eines Bleistiftes so viel von dem Reisstroh mit festem Bindfaden anschnürt, daß ein kleiner Besen entsteht, der an der Bundstelle etwa fingerdick ist; die freistehenden Spitzen werden gleichlang abgeschnitten und müssen unterhalb der Bundstelle eine Länge von 5–8 cm haben. Die Pinsel sind stets sauber zu halten und nach jedem Gebrauch zu reinigen.

Einen besonders dicken Pinsel fertigt man, indem man ein kräftiges Bündel Wurzeln, so viel, als man deren mit Daumen und Zeigefinger umspannen kann, in zweidrittel der ganzen Länge zusammenbindet und unten glatt schneidet. Das Einsetzen eines hölzernen Stieles ist dabei nicht nötig, da der zusammengeschnürte obere Teil genügenden Widerstand leistet.

Wenn wir nun noch die Galle eines Ochsen zubereitet haben, so sind wir gerüstet, um marmorieren zu können.

Zu dem Ende läßt man von einem Metzger, von dem man überzeugt ist, daß er Ochsen schlachtet, eine Galle vorsichtig herausschneiden. Bevor man die Gallenblase öffnet, um die Flüssigkeit zu benutzen, wiegt man eine Halbliterflasche, bringt auf dieselbe einen gläsernen Trichter mit einem Einsatz von Filtrierpapier und öffnet über demselben die Gallenblase. Hat der Trichter alle Flüssigkeit aufgenommen, so wird Flasche, Trichter und Galle beiseite gesetzt, bis eine vollständige Filtration stattgefunden hat. Nun wird die Flasche abermals gewogen, um das Gewicht der erhaltenen reinen Galle festzustellen; den sechsten Teil dieses Gewichtes setzt man an reinem Weingeist zu, schüttelt die Masse durcheinander und kann am nächsten Tage schon die so zubereitete Galle benutzen. Der Gallenzusatz erfolgt tropfenweise. Aus diesem Grunde erscheint es zweckmäßig, etwas von der Galle in einem sogenannten Tropfgläschen zum Gebrauch bereit zu halten, während der Rest als Rückhalt und zum Nachfüllen dient.

Die Arbeit des Marmorierens wird nun an einem Tische vorgenommen, von dem man sich überzeugt hat, daß er durchaus feststeht. Im Umkreise von etwa einem Meter darf sich nichts befinden als das zur Arbeit erforderliche Material und Gerät. Das Marmorierbecken wird dicht an die Tischkante gestellt, mit der Schlammabteilung nach rechts. Hinter dem Becken stehen die Farbennäpfe, hinter diesen die Farbenflaschen, jede bei ihrem Napf.