Fig. 39. Glättzähne, flach und rund.

Mit dem flachen Zahne allein läßt sich zur Not auskommen, da man auch den runden Vorderschnitt mit diesem, quer über den Schnitt gehend, glätten kann; nur muß man dann erst die eine und nach Drehung der Presse die andere Hälfte abglätten. Immerhin ist es besser, nachträglich noch mit dem runden Zahne der Länge nach zu glätten. Das Hin- und Herfahren mit dem Zahne darf nicht zu schnell geschehen, sonst erwärmt sich dessen Oberfläche und zieht Streifen. Langsame Bewegung unter kräftigem Druck bei stetigem Zuge gibt den besten Erfolg, namentlich, wenn nach jedesmaligem Durchglätten mit dem gewachsten Lappen die Fläche abgerieben wird. Beim Glätten stemmt man das obere Ende des Holzgriffes gegen die Schulter und neigt den Körper so weit nach vorn, daß der Zahn, dessen unteren Teil man an der Metallfassung fest mit beiden Händen umfaßt, schräg, und zwar in einem Winkel unter 45° zum Schnitt steht. Die Presse ruht während der Arbeit mit ihren Spindeln auf der Tischkante und ihr unterer Balken wird durch den Preßknecht unterstützt. Gegen diesen stemmt man das eine Knie, wodurch der vorgeneigte Körper einen festen Halt gewinnt.

Die Arbeit hat mit schwachem Druck zu beginnen und erst beim zweiten oder dritten Durchglätten wendet man die volle Kraft an. Es genügt, wenn ein matter Glanz in möglichster Gleichmäßigkeit erzielt wird; Spiegelglanz, wie beim Goldschnitt, ist nicht erforderlich.

Ober- und Unterschnitt wird ebenfalls quer geglättet, können jedoch schließlich der Länge nach fertig geglättet werden.

Farbschnitte lassen sich sehr schön verzieren durch Goldornamente, die man ihnen mit Rollen und Stempeln aufdruckt. Nach dem Glätten, und während noch der Schnitt in der Presse steht, wird Blattgold aufgetragen, nachdem man den Platz für das Ornament abgezirkelt oder leicht vorgedruckt hat. Mit einem ganz schwach gefetteten Läppchen überfährt man den Schnitt und bringt mit einem sogenannten Anschießer das Gold auf, welches dann mit Watte leicht angedrückt wird. Man sieht nun durch dasselbe hindurch den Vordruck oder die Vormerkung, nach der man sich beim Aufsetzen der Stempel oder Rollen, die leicht angewärmt sein müssen, zu richten hat. Nach dem Aufdruck wird der Schnitt mit einem sauberen Lappen abgewischt, alles überflüssige Gold völlig abgeputzt, und kann nochmals leicht abgeglättet werden. Im übrigen verweisen wir auf den Abschnitt »Handvergoldung«; genau dasselbe Verfahren, wie dort beschrieben, kommt hier zur Anwendung, nur ist ein ebener Schnitt mit dem Farbgrunde leichter zu behandeln.

4. Der marmorierte Schnitt. Das Marmorieren des Papieres war ein schon im 16. Jahrhundert bekanntes Verfahren. Marmoriertes Papier wurde damals bereits zu Vorsätzen verwendet und als Nürnberger Papier in den Handel gebracht. Auf Buchschnitten findet sich die Marmorierung erst seit dem vorigen Jahrhundert, und zwar meist in großen, groben Mustern mit kräftigen Farbentropfen und groben Adern. Erst im 19. Jahrhundert, besonders in den sechziger Jahren, wurde das Verfahren zur höchsten Vollendung gebracht. Es wird seitdem nicht allein in den Buntpapierfabriken, sondern auch in fast allen Großbuchbindereien von besonders darauf eingeübten Arbeitern (Marmorierern) als Spezialität betrieben. Das Wesentliche an der Sache ist, daß die auf einer schleimigen Flüssigkeit schwimmende Farbenschicht durch leichtes Eintauchen der Schnittfläche abgehoben wird und nun auf dieser sich festsetzt. Der Schleimgrund wird hergestellt durch eine Abkochung von Caragheenmoos oder Tragantgummi; früher nahm man auch Flohsamen oder Leinsamen dazu.

Die zum Marmorieren gebräuchlichen Farbstoffe sind gegenwärtig fertig im Handel zu haben.

Man unterscheidet zwei Sorten: die nach älterer Weise hergestellten, wie sie von den Buntpapierfabriken benutzt werden, und die sogenannten Halferschen Farben, die zum Zwecke des Schnittmarmorierens besonders bereitet werden. Sie decken zwar nicht so kräftig wie jene, sind dafür aber ungemein feurig und leuchtend. Es empfiehlt sich nicht, beide Sorten durcheinander zu benutzen, da sie sich nicht gut miteinander vertragen. Die Halferschen Farben haben noch den Vorzug, daß sie sich leichter verarbeiten lassen als die anderen und dabei sehr haltbar sind, während einzelne der nach der älteren Bereitungsweise hergestellten Farben gern sauer werden und verderben, mitunter auch den Ton ändern.

Gute Farbe muß ganz fein verrieben sein und im aufgesprengten Tropfen klar und gleichmäßig aussehen, darf also keine grieseligen, scheinbar gerinnenden Teile oder gar Körnchen zeigen. Der Grund wird folgendermaßen hergestellt: 10 gr. Caragheenmoos werden in ein sauberes Gefäß gethan, das noch keinem anderen Zwecke diente, mit einem Liter kochenden Wassers übergossen und staubfrei zugedeckt. Die Flüssigkeit wird, ehe sie völlig erkaltet ist, d. h. solange sich der Topf noch angenehm warm anfühlt, durch ein Tuch, besser durch ein Haarsieb geschüttet, damit alle ungelösten Teile zurückbleiben. Da der größte Feind des Marmorierers die Staubteilchen sind, welche sich auf die Oberfläche des Grundes setzen, so muß das Gefäß mit der Schleimflüssigkeit stets fest zugedeckt gehalten werden.