Fig. 37.
Fig. 38.
Zum Aufstreichen der Farbe bedient man sich eines Haarpinsels. Der Band braucht dabei nicht eingepreßt zu werden; man hat nur nötig, ihn zwischen Spalten oder Brettern an die Tischkante zu legen und mit der linken Hand fest zusammenzudrücken. Schöner wird der Schnitt allerdings, wenn er in der Presse recht fest eingepreßt und mit einer Ziehklinge geschabt wird, ehe der Farbenauftrag erfolgt.
Besteht der Band aus ungeleimtem oder halbgeleimtem Papier, so muß der Schnitt vor dem Färben mit einer dünnen Leimlösung, der etwas Alaun zugesetzt wurde, überfahren werden; indes genügt schon das Überfahren mit Alaunwasser allein. Geschieht dies nicht, so saugt das Papier die Feuchtigkeit der Farbe allzurasch auf, während diese selbst sich sehr dick außen aufsetzt und später abblättert.
Als Farbstoffe dienen Karmin, Indigo, Berliner Blau, das oben genannte Kasseler Braun und grüner Zinnober. Früher wurde auch Chromgelb vielfach verwendet, während heute sich dessen Gebrauch sehr vermindert hat; wenn wirklich noch ein gelber Schnitt verlangt wird, so erreicht man seinen Zweck durch eine Beize mit Pikrinsäure.
Für schwarze Schnitte, die bisweilen auch vorkommen, dient am besten chinesische Tusche; dieselbe ist so ergiebig, daß der Preis kaum ins Gewicht fällt. Einen besonderen Reiz hat der Graphitschnitt, zumal wenn er — wie wir weiterhin sehen werden — mit Stempeln vergoldet wird; zu seiner Herstellung kann man sich der Ofenschwärze unter Zusatz eines Bindemittels bedienen.
Jeder Schnitt, der mittelst Farbe hergestellt wird, muß nach dem Trocknen geglättet werden. Der Vorderschnitt wird dabei zwischen Spalten, Ober- und Unterschnitt zwischen Längebretter so eingepreßt, daß Schnitte und Spalten oder Bretter genau eine Fläche bilden, aber hinter der Oberfläche der Preßbalken etwa einen Finger breit zurückstehen. Dies hat den Zweck, ein schärferes Pressen zu erzwingen; würden die Bände mit dem Preßbalken Linie halten oder diese gar überragen, so wäre der Druck wesentlich geringer. Bei mangelhaftem Druck aber glätten sich leicht Runzeln oder Falten in das Papier.
Nach dem Einpressen wird jeder Schnitt durch Abbürsten mit einer harten Bürste von etwa anhaftenden Unsauberkeiten befreit; damit der Glättzahn gut gleitet, reibt man vorsichtig jeden Schnitt mit einem weichen, etwas gewachsten Lappen ab. Die Glättzähne sind entweder flach oder rund und bestehen aus Achat oder Blutstein. Der Zahn ist in eine Metallhülse gefasst und an einem hölzernen Stiele befestigt. ([Fig. 39].)