2. Der Kleisterschnitt. Älter als der Sprengschnitt ist der Kleisterschnitt. Die Schnittfläche wird bei Herstellung desselben kräftig mit gefärbtem Kleister bestrichen. Bevor der Farbenauftrag trocknet, wird mit einem etwas zugespitzten Kork ein Bandornament gezogen, wodurch die Farbe an den betreffenden Stellen zum Teil entfernt wird und heller erscheint. Zwischen dieses Bandornament werden dann mit einem stumpfen Holz- oder Metallstift noch Blüten, Blattmotive, Ranken oder dergleichen eingezeichnet. Die Arbeit ist für Luxusbände, besonders für solche, die im Sinne früherer Zeiten gebunden und verziert werden sollen, durchaus passend, nur muß der Arbeiter etwas vom Zeichnen verstehen. Als Farbe dient am besten Indigokarmin für Blau, dem man jedoch etwas Braun zusetzt, damit die Farbe gedämpft werde, und das oben genannte Kasseler Braun. Helle und grelle Farben zur Anwendung zu bringen, ist nicht ratsam, da der Schnitt dadurch ein auffälliges, für das Auge unangenehmes, weil mit dem sonstigen Äußeren des Buches im Widerstreit stehendes Aussehen erhält. Nur bei marmorierten Schnitten bedient man sich ungebrochener und leuchtender Farben, weil diese in der Marmorierung nicht grell hervorstechen.

Fig. 34. Stärkeschnitt, mit eingefärbter Stärke.

Der Kleisterschnitt wird stets am eingepreßten Buche gemacht; der Vorderschnitt kann sowohl in geradem, als auch, wenn der Band nicht zu dünn ist, in gerundetem Zustande auf diese Weise behandelt werden. Die Farbe soll dabei kräftig aufgetragen werden, jedoch nicht so dick, daß sie beim Aufblättern des Buches abspringt.

Es empfiehlt sich, ehe man die Verzierung ausführt, an beiden Seiten, gleichlaufend mit dem ersten Bogen, eine Linie zu ziehen und dadurch dem Ornamente einen Abschluß zu geben. [Fig. 35–38] sind Beispiele solcher Kleisterschnitte.

3. Der Farbschnitt. Der Farbschnitt, d. h. der mit dem Pinsel durch Aufstreichung der Farbe hergestellte einfarbige Schnitt, ist, nachdem er jahrzehntelang von dem Marmorschnitte verdrängt war, in neuerer Zeit wieder allgemein üblich geworden. Außer dem Goldschnitt und dem Kleisterschnitt ist kein Schnitt so dauerhaft. Seine Herstellungsweise ist verhältnismäßig einfach. Die Farbe, vorher aufs feinste gerieben, wird mit einem Bindemittel, am besten mit Fischleim, Gelatine oder Leim (weniger gut mit Kleister oder Eiweiß) angerührt unter Zusatz einer nicht zu reichlichen Menge Wasser. Die Farbe muß so kräftig sein, daß sie die Schnittfläche deckt, ohne daß ein zweiter Aufstrich notwendig wäre. Die Verwendung von Anilinfarben ist nicht ratsam, da diese unter dem Einfluß des Lichtes sehr bald verblassen.

Fig. 35.

Fig. 36.