Wie die zweifarbigen, werden auch die mehrfarbigen Schnitte behandelt, nur muß dabei das Abstimmen der Farben untereinander mit viel Sorgfalt geschehen; auch ist es notwendig, auf die Zusammenstellung der Farben zu achten, die wieder von der Farbe des Leders, Überzugs und Vorsatzes bedingt sein kann.
Wenn die Farben vor dem Abheben mit einem Hölzchen nach folgendem Schema quer, nachher mit einem Kamme, dessen Herstellung weiter unten angegeben ist, der Länge nach durchzogen werden, so entsteht der sogenannte Kammmarmor. Nur die Spitze des Hölzchens darf dabei die Oberfläche des Grundes berühren; die Farben ziehen dem Stifte nach und folgen seiner Spur, und es entsteht die eigentümliche, federähnliche Verschiebung der Farben (Federschnitt). Zu diesem Zwecke müssen die Farben recht vorsichtig aufgesprengt werden, denn wenn statt zwei Farben ihrer fünf die Oberfläche decken sollen, darf jede einzelne nur ein Fünftel des Raumes für sich beanspruchen. Die Farben werden stets über die Mitte gesprengt; doch soll vor Aufsprengen der letzten Farbe nach den Rändern zu immer noch so viel Raum vorhanden sein, daß die getriebenen Farben sich noch ausbreiten können. Ist dies nicht der Fall, so laufen sie ab, da sie nicht mehr nebeneinander Platz finden, schieben sich übereinander und vermischen sich.
Man achte bei der Zusammenstellung auf hübsche Kontraste, sprenge auch zuletzt einige Tropfen einer Mischung von Galle und Wasser auf, um weiße Adern zu erzielen.
Wenn beim Durchziehen mit dem Stifte eine oder die andere Farbe nicht folgen will (Gelb z. B. schiebt sich gern in unregelmäßigen, krausen Linien zwischen die anderen hinein), so setze man sie hinter den folgsameren zurück. Ist sie aber schon die letzte, so wird sie mit etwas Wasser wenig verdünnt, erhält auch nötigenfalls einen Tropfen Galle.
Wenn der Grund zu kräftig ist, so folgen die Farben dem Stifte nicht genügend; fährt man zu tief in den Grund hinein, so werden durch die Bewegung des Grundes die Linien unruhig und schwankend, deshalb soll nur die äußerste Spitze die Farben führen. Ganz ebenso handhabt man den Marmorierkamm, über dessen Herstellung folgendes zu bemerken ist.
Zwei Pappstreifen, jeder 5 cm breit und so lang, wie das Becken breit ist, werden zugeschnitten. Der eine wird mit kräftigem Leim angeschmiert und auf demselben eine Anzahl langer Stecknadeln so geordnet, daß deren Köpfe etwa einen cm weit auf der Pappe kleben, die Spitzen aber über den Rand hervorsehen. Die Nadeln selbst werden genau in gleicher Entfernung aufgeklebt, und zwar so, daß auf je 10 cm Kammlänge etwa 35 Nadeln kommen. Man kann indes, je nachdem man die Musterung breit oder schmal halten will, die Nadelweite geringer oder größer machen. Die Köpfe werden sämtlich genau in eine Linie gerichtet, so daß auch die Spitzen in gleicher Länge hervorsehen. Der zweite Streifen wird ebenfalls angeschmiert, auf den ersten aufgeklebt und der so hergestellte Kamm fest eingepreßt; später kann er dann noch mit festem Papier oder mit Leinwand überzogen werden.
Um die erste Farbe, welche aufgesprengt wurde, recht gleichmäßig in den ganzen Schnitt zu verteilen, durchzieht man diese vor dem Aufsprengen der weiteren Farben mit dem Stifte, wie dies vorhin gesagt wurde, jedoch nicht quer, sondern der Länge nach. Hat man die Farben für einander passend zugerichtet, so halte man auch stets dieselbe Reihenfolge genau ein; hat man eine Anzahl von Schnitten gemacht, so versäume man nicht, den ganzen Grund wieder umzurühren. Viele Marmorierer sprengen die Farben nicht nach der Mitte zu auf, sondern die erste auf die Mitte, die zweite längs den beiden Rändern, die dritte zwischen diese Farbenreihen; es hat dies allerdings einige Vorzüge, weil man die Farben kräftiger zur Wirkung bringt, dagegen den Nachteil, daß dieselben nicht so gleichmäßig verteilt sind, was besonders bei breiten Schnitten sich bemerkbar macht.
Eine beliebte Art der Marmors ergibt sich, wenn man die erste Farbe, Rot oder Blau, als Grundfarbe behandelt, der Länge nach durchzieht, und dann nur noch eine oder zwei dunklere Farben, die nicht allzukräftig treiben, einsprengt.
Der Kammmarmor läßt sich noch mit einigen Abänderungen ausführen, die eine besondere Kunstfertigkeit nicht voraussetzen.