Untersinken der Farbe ist eine Folge zu dicker Farbe, auch eines ungenügenden Gallenzusatzes oder eines zu alten Grundes.
Daß Marmorschnitte ebenso wie andere farbige Schnitte geglättet werden müssen, bedarf kaum der Erwähnung.
Bei der Wahl der Farben zum Marmorschnitt richtet man sich am besten nach der Farbenzusammenstellung, die das zu verwendende Vorsatzpapier zeigt. Eine völlige Übereinstimmung braucht dabei nicht erzielt zu werden, aber wohl ist darauf zu halten, daß die Farben von Vorsatz und Schnitt harmonisch zusammenpassen.
5. Der Goldschnitt. Die Herstellung des Goldschnittes galt in früheren Zeiten für eine ganz besonders schwierige Arbeit, für eine Art Geheimnis. Heutzutage werden indes mit einfacheren Mitteln weit vollkommenere Goldschnitte hergestellt als in alten Zeiten, wo man nach einem Rezepte verfuhr, das viel überflüssige, ja selbst ungeeignete Zuthaten enthielt. Das Gelingen ist abhängig von der Beobachtung der größten Sauberkeit und von der Sorge für einen möglichst staubfreien Arbeitsraum. Sodann muß darauf gesehen werden, daß das Bindemittel für das Gold nicht zu dick ist. Beim Glätten muß man einen möglichst hohen Glanz zu erreichen suchen.
Der Vorderschnitt läßt sich sowohl in geradem wie in gerundetem Zustande vergolden. In ersterem Falle, der auch für Ober- und Unterschnitt gilt, wird der Schnitt zuvörderst geschabt. Man bringt zu dem Ende das Buch nicht mit seiner ganzen Fläche, sondern nur mit dem dem Schnitte zunächstliegenden Teile in die Presse unter Vorlage der schon erwähnten keilförmigen Bretter (Spalten). Um das Bearbeiten des Schnittes zu erleichtern, legt man auf jeder Seite eine zweite Spalte vor. Während die am Buche liegenden Spalten mit diesem genau abgleichen, werden die Vorlegespalten um 3 mm zurückgesetzt. Dadurch wird erreicht, daß der Schnitt in der Presse etwas zurückgesetzt und dadurch schärfer gepreßt werden kann. ([Fig. 40a].) Mehr, als angegeben, dürfen jedoch die Spalten nicht abstehen, da sonst der scharfe Druck verloren geht. Genau in derselben Weise wird auch der später zu behandelnde Hohlschnitt eingesetzt.
Fig. 40a. Zum Vergolden eingesetzter Vorderschnitt.
Vor dem Einpressen muß man sich überzeugen, daß die Spalten genau Linie halten, anderenfalls stößt man sie mit einem Tischlerhobel etwas ab, da dies in der Presse weniger gut möglich ist. Jetzt wird der ganze Schnitt mit einer guten, etwas biegsamen Ziehklinge geschabt. Die Klinge muß auf Vorder- und Rückseite einen Grat haben, der mit einem Stahle daran gestrichen wird. Sehr brauchbar zum Schaben sind abgebrochene Sägeblätter, die man bei Tischlern leicht erhalten kann. Klingen derart werden am Rande auf einem Drehsteine geradegeschliffen. Die Klinge wird dabei in der Richtung des drehenden Steines, niemals quer gehalten. Nicht jedes Mal, wenn die Klinge stumpf geworden, wird sie neu geschliffen, vielmehr hilft hier der Stahl nach, indem die Klinge an die Tischkante gelegt und der Grat nach dem Rande zu heruntergestrichen wird. Ist dies an beiden Seiten der Fall, so wird die Klinge auf die hohe Kante gestellt und der Grat nach rechts und links zurückgelegt.
Beim Schaben ist darauf zu achten, daß weder das Kapital noch das Ende am Vorderschnitte heruntergeschabt werde. Am Kapital, besonders wenn es sehr auseinandergetrieben ist, kann man mit einer Schlichtfeile etwas nachhelfen.