Gelingt der einfarbige Schnitt zur Genüge, so versucht man es mit einer zweiten Farbe, welche auf die erste recht gleichmäßig verteilt wird; die erste Farbe muß in gleichmäßigen Adern zwischen den Augen der zweiten verteilt sein. Im übrigen ist das Verfahren genau dasselbe. Mehr als zwei Farben für die Adern wendet man selten an; indes kann man durch besondere Kunstgriffe mancherlei eigentümliche Farbenwirkungen erzielen.
Gibt man z. B. als Grund eine dunkle Farbe, aber mit Galle ohne Anwendung von Seifenspiritus, und setzt einen bis zwei Tropfen gewöhnliches Terpentin zu, so erhalten die Augen ein eigentümliches, porphyrartiges Aussehen. Kremser Marmor, welcher rote und schwarze Adern mit graublauen Augen (verdünntes Schwarz mit wenig Blau) hat, wird in dieser Weise hergestellt.
Eine besondere Art der Schnitte, aber bei uns wenig in Anwendung, sind die sogenannten griechischen Schnitte; der Grund erscheint bei diesen in breiteren oder schmäleren Streifen abschattiert.
Ein türkischer Schnitt mit kräftigem, dunklen Grunde wird auf die Art hergestellt, daß der Schnitt während des Eintauchens, das ja von einer Ecke aus beginnt, absatzweise auf den Grund gebracht wird; dadurch kommt dieser in eine wogende Bewegung, und diese teilt sich dem Schnitte mit.
Wir haben hiermit die Kunst des Marmorierens in allen ihren Zweigen vorgeführt, ohne freilich das Kapitel erschöpft zu haben. Nur mit dem Pinsel in der Hand und den Farben vor sich kann man es zu einem geschickten Marmorierer bringen. Immerhin wird man dabei gewisse Erfahrungssätze verwerten können, die wir hier kurz zusammenfassen.
Mangelhaftes Treiben wird bewirkt durch zu geringen Zusatz von Galle, durch zu dicken Grund, zu dicke Farbe und durch zu niedrigen Wärmegrad (unter 13° Reaumur).
Zu kräftiges Treiben rührt von zu dünnem oder zu altem Grunde, oder fehlender Galle her.
Ablaufen der Farbe kommt von zu dicker Farbe her oder von ungenügendem Zusatz an Galle.
Blasse Farbe enthält zu viel Wasser oder Galle oder beides, oder der Grund ist zu dünn.