Mit dieser Vorrichtung wird der gewöhnliche Kammmarmor der Länge nach durchzogen, indem man jedoch zugleich eine Querbewegung nach Art einer Zickzacklinie macht, etwa so:
Stellt man sich in derselben Weise einen Kamm her, dessen Stifte nur halb so weit voneinander entfernt sind, und durchzieht man mit diesem den nur quer mit dem Stift, aber nicht mit dem gewöhnlichen Kamme gezogenen Farbenteppich, so erhält man den sogenannten Augenmarmor.
Der zum Durchziehen zu benutzende Stift besteht am besten aus einem etwa 4 bis 5 mm breiten und 2 mm dicken Stäbchen. Alle Werkzeuge, Pinsel, Kämme und Stifte müssen stets durchaus sauber gehalten und nach jedesmaligem Gebrauch gereinigt werden.
Die während des Marmorierens verwendeten Spalten und Bretter müssen nach jedesmaligem Tauchen sofort gut abgetrocknet werden; kommen sie nur noch etwas feucht bei einer neuen Partie mit dem Grunde in Berührung, so stoßen sie sofort die Farben beiseite und der Schnitt ist verdorben. Es empfiehlt sich deshalb, eine Reihe von Spalten und Brettern nacheinander zu benutzen; die Spalten werden dann wieder völlig trocken sein, wenn die Bretter ihren Dienst geleistet haben.
Ein etwas anderes Verfahren, als das für den Kammmarmor geeignete, erfordert der sogenannte Schmaladerschnitt, auch wohl französischer Marmor genannt, weil er meist die französischen Landesfarben, Blau, Rot und Weiß, zeigt.
Der Grund, wie er für Kammmarmor paßt, wird mit etwa dem vierten Teile Wasser verdünnt; desgleichen müssen auch die Farben durch Zusatz von Wasser verdünnt werden, so daß die Flüssigkeit um etwa ein Drittel vermehrt wird. Nötigenfalls werden auch einige Tropfen Galle zugegeben.
Die Arbeit wird wieder mit einer Probe eingeleitet, indem man einen Tropfen auf den Grund fallen läßt. Derselbe muß sich sofort bis zur Breite des Beckens ausdehnen, anderenfalls erhält er einen Gallenzusatz. Zieht er sich wieder stark zusammen, so ist der Grund zu dick und muß verdünnt werden. Erst wenn die Farbe ganz genau abgepaßt ist und mehrere aufgesprengte Tropfen das Becken fast bedecken, kann zum Treiben der Adern übergegangen werden. Man bedient sich dazu neuerdings des Seifenspiritus, der in jeder Kräuterhandlung zu haben ist, an Stelle der früher üblichen verdünnten Galle. Mit dem dicken Pinsel (Schlagpinsel), dessen Anfertigung oben ([S. 64]) beschrieben wurde, spritzt man lauter feine Tropfen auf den Grund, die auf diesem Augen bilden und alsbald die erste auf dem Grunde schwimmende Farbe zu mehr oder weniger feinen Adern zusammentreiben. Der Pinsel wird dabei lebhaft über eine Leiste geschlagen und das Augenmerk darauf gerichtet, daß die Tropfen gleichzeitig die ganze Breite des Grundes besprengen, damit nicht, wie es beim Aufsprengen mit dem kleinen Pinsel der Fall ist, die Farbe von der Mitte nach den Rändern zu treibt. Anderenfalls würde die sehr verdünnte Farbe nicht genügend zusammengetrieben werden. Um einen ganz feinen Marmor zu erzielen, bedient man sich statt des Schlagpinsels besser eines Sprenggitters nebst Bürste, mit deren Hilfe eine gleichmäßigere Äderung erreicht wird.
Ebenso kann man den Grund farbig machen, wenn man der letzten Farbe einige Tropfen Seifenspiritus zusetzt, wie auch bei weißem Grunde dem reinen Wasser; auf 1⁄10 Liter genügen etwa 20 Tropfen Seifenspiritus. Zu viel Seifenspiritus giebt keinen Schmaladerschnitt; die Farben können dann nicht dem kräftigen Triebe standhalten, haben aber auch nicht den Raum zum Ausweichen; sie werden deshalb von dem Grunde überlaufen und schwimmen vom eingetauchten Schnitte ab. Außerdem aber vereinigen sich die Spiritusteilchen mit dem Grunde und dieser läßt die Farben überhaupt nicht mehr zum Treiben kommen.