Der Vorderschnitt wird, nachdem er vergoldet worden ist, wieder gerundet. Das Vergolden des Ober- und Unterschnittes erfolgt in gleicher Weise wie beim Vorderschnitte. Beim Einpressen hat man aber eine Vorsichtsmaßregel zu beobachten, damit der hohle Vorderschnitt keinen zu starken Druck erhält und infolgedessen sich verpreßt, d. h. runzelig wird. Dies geschieht, indem man eine zweite Spalte vorlegt, diese aber nicht allein hinter dem oberen Schnittrande, sondern auch hinter den Vorderschnitt etwas zurücksetzt, so daß dieser selbst keinen eigentlichen Druck erhält. ([Fig. 41]).

Man nimmt zum Einpressen von Oberschnitten meist zwei Querbretter, welche besonders zum Goldschnittmachen gehalten werden; diese müssen scharf in den Falz gesetzt sein. Zum Zurücksetzen werden dann Längebretter genommen, die nicht Gefahr laufen, abzubrechen.

Es ist hier noch nachzutragen, daß der Goldschnitt, wenn er in geradem Zustande vergoldet wird, doch vorher gerundet und abgepresst sein muß; er wird zum Beschneiden dann aufgebunden. Immerhin kann es auch einmal vorkommen, daß ein Band vor dem Abpressen vergoldet werden muß. In diesem Falle ist es erforderlich, daß das Buch erst rundgeklopft und dann wieder geradegestoßen wird; geschieht dies nicht, so ist zu besorgen, daß die Bogen beim späteren Runden vorschießen.

Bei dem Vergolden des ausgerundeten Schnittes (Hohlschnitt) ist das Verfahren im allgemeinen dasselbe. Zum Schaben bedient man sich in diesem Falle einer Ziehklinge mit gerundeter Schneide, die bequem in die Rundung des Schnittes paßt und darin hin- und hergeführt werden kann. Bei Bänden, in denen Karten oder Photographien vorkommen, oder bei Photographie-Album-Bänden wird der Schnitt vorher ausgeraspelt. Es dient hierzu eine sogenannte Strohfeile, deren beide Enden nach oben gebogen und die dann mit Handgriffen versehen sind.

Zum Auftragen des Goldes kann man beim Hohlschnitt den Anschießer nicht gebrauchen. Statt seiner bedient man sich zweier Fäden, die auf ein leichtes Rähmchen von Holzstäbchen verschiebbar gespannt sind. Die Breite der Hohlkehle wird durch Einlegen eines Streifens Papier genau ausgemessen und mit einer Zugabe für ungenaues Auftragen auf die Fäden übertragen, d. h. die Fäden werden auf die gefundene Breite eingestellt. Ebenso wird in dieser Breite das Gold zugeschnitten; jedoch werden die Blattlängen nicht einzeln aufgenommen, sondern in der Ausdehnung des ganzen Schnittes aneinander gehängt. Ein Blatt wird ans andere so angeschoben, daß es das vorhergehende etwa 2 mm deckt, bis die lange des Schnittes erreicht ist. Die Ränder werden aneinander befestigt, indem man sie mit der flachen Kante des Messers an der Verbindungsstelle aufeinander drückt. Dieser lange Streifen wird nun mit dem Rähmchen, bez. mit den beiden Fäden, mit denen man wie bei dem Anschießer zuvörderst über das Haar fährt, an den Längsseiten aufgenommen. Damit nun das Gold in die Rundung paßt, werden die Fäden so weit zusammengeschoben, daß die Rundung der Goldstreifen ungefähr in die Höhlung paßt; auf genaues Passen kommt es dabei nicht an, da die Feuchtigkeit das Gold schon anzieht.

Die weitere Behandlung des Hohlschnittes ist dieselbe wie diejenige des flachen Schnittes.

Eine eigentümliche Verzierung wird dem Goldschnitt durch Untermalung (auch durch Unterfärbung und Untermarmorierung) gegeben, welche erst bemerkbar wird, wenn man das Buch aufschlägt und der Schnitt sich lockert. Die Bemalung, bez. Marmorierung geschieht dann nicht an dem festen Schnitte, sondern die Blätter des Buches werden ein wenig schräg aufgeschoben und in dieser Stellung durch ein Band festgehalten; die schräge Fläche wird entweder mit Aquarellfarben bemalt, in gewöhnlicher Weise marmoriert, oder mit dem Pinsel gefärbt. Eine besondere künstlerische Fertigkeit erfordert die erstere Art, während beim Marmorieren und Färben nur einige Vorsicht zu empfehlen ist, damit die Farben nicht in das Buch laufen; beim Färben darf der Pinselstrich nicht mit den Blättern gleichlaufen, sondern muß von oben über dieselben herabgeführt werden. Wer nicht selbst malt, sondern die Arbeit von einem Künstler fertigen läßt, der halte denselben dazu an, die Farben vorsichtig und sparsam aufzutragen, kräftige Deckfarben aber ganz auszuschließen. Anderenfalls kleben sehr leicht die Blätter aneinander, und nicht allein der darüber kommende Goldschnitt, sondern auch die Malerei leiden Schaden.

Ist ein solcher Schnitt völlig trocken geworden, so wird er aus der schrägen Stellung gelöst, gerundet oder in gerader Stellung in gewöhnlicher Weise vergoldet, wobei aber mit Vorsicht geschabt wird, damit keine Stellen der Untermalung verloren gehen. Diese Art Doppelschnitte, die sich erst während des Aufblätterns zeigen, sind erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Aufnahme gekommen und haben nie eine ausgebreitete Verwendung gefunden. Das Beste derart, was dem Verfasser bekannt geworden, ist eine im Besitze des Buchhändlers Lempertz zu Köln befindliche Geschichte des siebenjährigen Krieges mit Aquarellen in Chodowieckischer Darstellungsweise.

Ungleich bestechender auf den ersten Blick sind die punzierten Schnitte, deren Ausführung für den, der etwas zeichnen kann, eine verhältnismäßig leichte ist. Es gibt dabei zwei Arbeitsweisen mit verschiedenem Erfolge: Grund matt, Ornament hochglanz, und umgekehrt Ornament matt, Grund hochglanz.

Die Herstellung ist folgende. Genau zur Größe und Breite des Schnittes passend, wird eine Zeichnung entworfen und mit Pauspapier in der Weise übertragen, daß auf der mit Reißzwecken über dem in gewöhnlicher Weise hergestellten Schnitte befestigten Pause der Kontur mittelst eines stumpfen Metallstiftes nachgefahren wird. Die Zeichnung wird dann, wenn auch sehr leicht, doch deutlich sichtbar auf dem Schnitte stehen. Wenn die Vorderschnitte nicht zu schmal sind, können sie auch als Rundschnitte in dieser Weise behandelt werden. Derselbe Stift, mit dem die Zeichnung aufgepaust wurde, dient nun auch zum Punktieren des Konturs auf dem Schnitte selbst. Am besten macht man sich einen solchen Stift selbst aus einer stählernen Häkelnadel zurecht, indem man das kleine Häkchen an der Spitze abzwickt, die Spitze stumpf-kegelförmig anfeilt und auf einem Ölsteine durch fortwährendes Hin- und Herziehen unter drehender Bewegung poliert. Ein solcher Stift, der in einen handlichen Holzgriff eingesetzt wird, soll nicht kratzen oder reißen, vielmehr, auf dem Schnitte hingezogen, eine hochglänzende, wenig vertiefte Rinne hinterlassen.