Mit diesem Stifte drückt man, Pünktchen an Pünktchen, den Kontur der Zeichnung nach, so daß diese wie aus fortlaufenden Perlenlinien zusammengesetzt erscheint. Adern, Blattrippen können dann als gezogene Linien, also nicht punktiert, eingetragen werden, was sehr zur Hebung der Wirkung beiträgt. Das Mattieren des Ornaments, oder auch, wenn die umgekehrte Behandlung beabsichtigt ist, des Grundes, auf dem das Ornament steht, wird mit einem Mattierpunzen erzielt, indem dieser den Umrissen gemäß mit der linken Hand geführt wird, während die rechte ihn mit einem kleinen, leichten Hämmerchen von oben trifft. Die Schläge müssen ganz leicht geführt werden, da schon der leiseste Druck das Muster des Punzens in den Schnitt eindrückt und zu starker Druck Quetschungen des Papieres verursacht, die beim Aufblättern sichtbar werden. Je kleiner das Muster, desto schöner ist die Mattierung. Im allgemeinen ist es zweckmäßig, sofort nach Übertragung des Musters zu punzieren und dann erst den Umriß zu punktieren, da der vorher ausgeführte Kontur durch das Mattieren an Stärke verliert.
Fig. 42 u. 43. Stempel zum Punzieren der Schnitte (um 1700, Wetzlar).
Durch Anbringen kleiner Stern- oder Ringpunzen an geeigneter Stelle kann noch vielfache Abwechselung in den Schnitt gebracht werden.
Im 17. und 18. Jahrhundert bediente man sich häufig gravierter Stempel zum Punzieren, die dann in vielfacher Abwechselung zum Abdruck gelangen konnten. ([Fig. 42 und 43].) Doch erlangten solche Schnitte nie den Reiz der in obiger, ältester Weise verzierten Arbeiten.
Diese Zierschnitte lassen sich auch herstellen mit zweierlei Gold derart, daß der Grund oder das Ornament sich in der Goldfarbe unterscheiden. Die Arbeit ist ebenfalls nicht schwer, wenn auch etwas umständlich. Man wählt dazu ein Muster, das kräftige, nicht kleinliche Formen zeigt. Dieses wird auf Pauspapier übertragen und dann durch Ausschneiden eine Schablone hergestellt. Es leuchtet ein, daß man schon beim Entwerfen darauf bedacht sein muß, daß die einzelnen Teile genügenden Zusammenhang haben; deshalb ist es zweckmäßig, den Grund der Schablone stehen zu lassen, das Ornament aber herauszuschneiden. Nachdem der Goldschnitt in einer Farbe (meist Dunkelorange) aufgetragen und fertig geglättet worden, macht man Gold zu einem zweiten Auftrage zurecht, am besten Zitron- oder Grüngold. Der ganze Schnitt wird nun rasch, aber reichlich mit klarem Brunnenwasser überfahren, die Schablone so aufgelegt, daß das Muster in der Mitte steht, nochmals das Ganze mit Wasser überfahren, das zweite Gold aufgetragen und der Band zum Abtrocknen beiseite gestellt. Sowie der Schnitt halbtrocken ist, beginnt die Schablone sich abzulösen; man glättet über dieselbe unter Auflage von glattem Papier den Schnitt an, läßt noch kurze Zeit abtrocknen, entfernt die Schablone und glättet fertig. Auf einem dunklen Grunde erscheint dann das hellere Ornament, welches jedoch erst durch das Konturieren und Punzieren den rechten Reiz erlangt. Die weitere Behandlung stimmt mit der oben angegebenen überein.
Das Bemalen, richtiger das Ausschaben und Ausmalen von Goldschnitten, ist eine Fortsetzung oder weitere Ausführung des punzierten Schnittes; einzelne Teile des Ornaments werden mit einem feinen Messer, dessen Spitze diesen Schliff hat
ausgeschabt und mit Aquarellfarben ausgemalt. Es ist dabei zweckmäßig, den Grund zu mattieren, vom hochglänzenden Ornament aber überall da Teile stehen zu lassen, wo grelle Lichter oder etwa Blattrippen, einzelne Punkte oder dergleichen im farbigen Ornament stehen sollen. Selbstverständlich kann auch zweierlei Gold, wie vorstehend beschrieben, Verwendung finden.