In Deutschland machte man die Arbeit ein wenig anders. Am Rücken klebte man ein Stückchen dünnes Schafspergament so an, daß es am Kapital schmal überstand; an dieses wurde ein Streifchen Leder angelegt und in ähnlicher Weise wie vorstehend umstochen, nur mußte bei jedem Stich durch das Pergament durchgestochen werden; alle 3 bis 4 Stiche stach man tief in den Band unter dem Fitzbund, sonst aber nur unter der Einlage durch. Auch bei der vorgenannten französischen Art stach man nicht bei jeder Tour ein, sondern ließ ebenfalls einige Stiche vorübergehen.

Unsere jetzige, in Deutschland meist angewendete Art ist folgende. Ein Streifchen steifes Pergament oder rundgedrehtes Leder wird auf einen etwa 3 cm breiten, an einem Rande mit Kleister angeschmierten Streifen Baumwollzeug so geklebt, daß noch ein schmales Rändchen des Stoffes über die Einlage herüber eingeschlagen werden kann. Dadurch erhält man einen an einer Seite mit einem Wulst versehenen Streifen, der nach dem Abtrocknen am Rücken mit Leim festgeklebt und, an beiden Enden mit dem Falz abgleichend, passend geschnitten wird. Wie bei den ältesten Bänden ist auch hier eine bereits befestigte Grundlage für das Kapital geschaffen, welche, wie oben angegeben, umstochen wird.

Soll auf dem Kapital noch ein zweites Leistchen, also eine doppelte Einlage vorhanden sein, so wird ein dünnes Fädchen oder rundgedrehtes Lederstreifchen eingelegt und, bevor man den Faden nach vorn bringt, jedesmal zuvor umschlungen. An älteren griechischen Bänden findet sich eine ähnliche Weise, doch wurde jede Farbe mit 2 Nadeln gestochen, so daß im ganzen 4 Nadeln im Gange waren; es wurden von derselben Farbe dann etwa 6 Stiche hintereinander gemacht und bei jedem Stiche die eine Nadel der vorhergehenden Farbe oberhalb der Einlage mit umschlungen. Nach dem letzten Stiche jeder Farbe zog man die Nadel mit dem Faden bis ans Ende durch, welcher dann als zweite Einlage diente, und nun kam die andere Farbe in derselben Länge und in derselben Anwendung an die Reihe. Diese Kapitale sehen sehr regelmäßig und gut aus, sind aber nur für dickere Bände verwendbar.

Ein Gegenstück möglichst liederlicher Arbeit, leider deutschen Ursprungs, finden wir am Ende des 18. Jahrhunderts. In der Zeit der farbigen Pergamentbände wurde ein Streifchen Pergament, wenig überstehend, am Rücken angeklebt und mit einem farbigen Faden — meistens nicht einmal Seide — überwendlings und in recht langen Stichen übernäht, ohne daß auch nur einmal das Buch selbst angestochen wurde. Ein derartiges Kapital gab dem Buche keinerlei Halt, eine Verzierung war es ebensowenig.

Als besondere Eigentümlichkeit sei noch das orientalische Kapital vorgeführt. Während unsere abendländischen Kapitale das Bestreben haben, aufwärts zu stehen, so liegt das orientalische flach auf dem Buchschnitte auf, und zwar mit Recht. Unsere Einbanddecken haben ausnahmslos vorstehende Kanten; der orientalische Band behilft sich ohne dieselben, die Deckel gleichen mit dem Buche völlig ab. Es wurde schon gesagt, daß das orientalische Kapital beim Heften der Blätter mit angeheftet wird. Die Art, wie dies geschieht, läßt unsere Abbildung ([Fig. 51]) erkennen.

Zwei verschiedenfarbige, zusammengedrehte Doppelfäden werden in der Mitte zusammengeschlagen und an einem Endbogen fest geheftet, durch jeden Bogen, über den Schnitt und zwischen den 4 Fäden durch wird der webende Seidenfaden geführt, so daß die gleichfarbigen Fäden je einmal über und einmal unter denselben zu liegen kommen, d. h. zu jedem Stich werden alle Fäden derselben Farbe hochgehoben und unter denselben der Faden durchgeführt; zum nächsten Stiche kommen dann die anderen hoch. Meistens liegt unter dem Ziermäschchen noch ein dünnes Streifchen Leder.

Fig. 51. Orientalisches Kapital.

Unsere heutige Buchbinderei macht es sich mit dem Kapitale bequemer. Sie benutzt dazu sog. Kapitalband, das fertig im Handel zu haben ist und aus einem Streifen Baumwollgewebe, dem an einer Seite ein mit Seide übersponnener Wulst angewebt ist, besteht. In passende Stücke geschnitten, wird es ohne weiteres an den Rücken des Buches so angeklebt, daß der Wulst über dem Schnitte in der Rundung des Rückens liegt.