Fig. 90.

Fig. 91.

Fig. 92.

Innere Kantenvergoldungen.

Die Deckelvergoldung erstreckt sich bei reich ausgestatteten Lederbänden nicht nur auf die äußeren, sondern auch auf die inneren Seiten. Wir beginnen mit diesen, da sie bei der Arbeit ebenfalls den Anfang machen. Die Verzierung der Innenseite besteht stets aus einer Kante (Umrahmung), die entweder an allen vier Rändern hinläuft oder nur an den drei äußeren, während die innere Seite am Falz her durch das Vorsatz, einen Leder- oder Stofffalz gedeckt wird. Das umrahmte Feld, der Spiegel, kann auf die verschiedenste Weise, symmetrisch ([Fig. 96–99]) und unsymmetrisch ([Fig. 95] und [100]), voll ([Fig. 100]), oder mit einem frei in der Fläche stehenden Zierstück ([Fig. 95] und [98]), ornamentiert werden; nur ist darauf zu achten, daß die Kante ein dichteres und kräftigeres Muster zeigt als die Mitte. In ihr soll die Festigkeit des Rahmens gewissermaßen zum Ausdruck kommen, ähnlich wie dies bei der Verzierung von Zimmerdecken der Fall ist, wo die tiefere Färbung die Ränder gegen die lichter behandelte mittlere Fläche absetzt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Verzierungsweise der Innenseiten von derjenigen der Außenseiten, bei denen man Kante und Spiegel nicht so scharf hervorhebt, sondern auf eine allmähliche Überleitung vom Rande nach der Mitte zu Bedacht nimmt, sei es durch vermittelnde Linien, sei es durch Anordnung von Eckstücken, die das Mittelfeld zu einem Oval oder zu einer dem Oval sich nähernden Form gestalten. Der Grund für diese gegensätzliche Art der Ornamentierung liegt wohl nur in dem Reiz des Gegensatzes, nicht aber in dem Wesen der Sache.

Fig. 93.