In Benares, nicht fern vom Gangesufer, saß eine Schar junger Brahmanen mit den Vorbereitungen zu einem großen Opfer beschäftigt. Zu diesem Zwecke hatten sie einen Kreis von Kuhdung um sich gezogen, den nichts Fremdes überschreiten durfte, sollte das ganze Opfer nicht vergeblich sein.

Als nun alles, nach langen Mühen, nach langem Warten der Vollendung sich näherte, als die ersten Zeichen sich einstellten, da geschah es eines Tages, daß nicht gar fern von ihnen der Diener eines weißen Sahib, eines Christen, mit einem Ball spielte. Und von ungefähr geschah es, daß der Ball in den heiligen Kreis jener jungen Brahmanen hineinflog, just als sie meinten, zur „Einigung“ zu kommen. Denn das ist es ja, warum überall geopfert wird: Um zu einer Einigung mit dem Göttlichen zu kommen.

Als jene nun durch diesen Zufall um ihre Sehnsucht und ihre Hoffnungen betrogen waren, stürzten sie wild auf den Diener jenes weißen Sahib, des Christen, los und würden ihn auf der Stelle getötet haben, wenn nicht auf sein Geschrei der Sahib selber herbeigeeilt wäre.

Als der nun jene jungen Brahmanen fragte, warum sie seinen Diener so übel behandelten, antworteten sie:

„Wir waren nach langen Opfermühen gerade im Begriff, zur Einigung mit der höchsten Weltseele zu kommen, da flog der Ball Deines Dieners in unseren heiligen Kreis und hat uns alles verdorben. Darum wollen wir diesen Menschen töten, eben wegen seiner Missetat.“

Da sagte der Sahib:

„Wißt Ihr denn, ob er es böswillig getan hat?“

„Das wissen wir freilich nicht. Trotzdem aber soll er sterben; denn er hat unsere Seelen geschädigt, und was soll es da für eine andere Strafe geben als den Tod?“

„Wißt Ihr nicht, daß das erste Gebot jeder Religion Mitleid ist?“