Diese Geschichte fängt an wie ein Märchen:

Es war einmal ein Mann, der lebte in der heiligen Stadt Kandy und dazu garnicht weit vom Tempel des heiligen Zahnes. In der Gesetzes-Gasse hatte er einen Laden und ernährte sich schlecht und recht.

Als dieser Mann fühlte, daß es mit ihm wohl bald zu Ende gehen könnte, sprach er zu seinem Sohn: „Nala, mein Sohn, du weißt, deine Mutter und Geschwister haben uns schon verlassen und sind weiter gewandert, (er meinte: sie sind gestorben und haben eine neue Wiedergeburt erlebt.) Auch meine elende Körperform, dieser Haufe Sankhāra steht im Begriff sich aufzulösen und sich zu neuer Form wieder zusammen zu schließen; denn das Nirvāna ist mir noch fern. Nun habe ich viel geschwankt, ob ich mein Hab und Gut dem Tempel zum heiligen Zahn vermachen oder dir hinterlassen soll. Als ich dich aber neulich deswegen befragte, und du antwortetest: ‚Wie es dir beliebt, Vater,‘ da sah ich, daß du die glückselige Gabe der Nachdenklichkeit besitzest und daß du das Geld nicht dazu verwenden wirst, nur noch mehr zusammen zu häufen. Darum will ich dir alles hinterlassen, nicht um dich träge zu machen, sondern um dir das Leben der Nachdenklichkeit zu erleichtern. Denn es ist schwer, nachdenklich zu sein, wenn man sein tägliches Brot erjagen muß. Aber heilig und teuer mußt du mir zweierlei geloben: Erstens beherzige stets den Satz des Buddha: ‚Wer nichts Liebes hat, der hat auch nichts Leides‘ und zweitens: stelle nie eine Frage an ein Weib.“

Der Sohn versprach heilig und teuer, es sein Leben lang wie ein Gelübde zu halten.

Darauf fuhr der Vater fort: „Dieses habe ich von dir verlangt, weil ich dir all mein Gut hinterlassen habe, wo es doch viel verdienstlicher für mich wäre, und mir bessere Wiedergeburt sichern würde, wenn ich es dem Tempel schenkte. Denn du weißt, mein Sohn, daß im Tode die Wege von Eltern und Kindern sich trennen, und daß niemand mit uns geht als unsere Tat. Jetzt gebe ich dir aber einen guten Rat, den du befolgen magst oder nicht: führe nicht diesen Handel fort, den ich führe. Mein Karma war es, Weib und Kinder zu haben; darum mußte ich Handel treiben, um sie zu ernähren. Am makellosesten lebt aber der Mensch, wenn er von der Erde lebt. So kann er andere am wenigsten schädigen.“

Auch diesen Rat versprach der Sohn zu befolgen.

Einige Zeit danach starb der Alte. Der Sohn betrauerte ihn in gebührlicher Weise, weil er aber ein guter Sohn war, so tröstete er sich mit dem Gedanken an die Vergänglichkeit alles Entstandenen. Dann nahm er alles, was sein Vater ihm hinterlassen hatte, und kaufte sich oben am Berge auf der anderen Seite ein Häuschen mit einem Stück Land und lebte dort einsam, aber friedlich. Wenn er in die gewaltige Ebene zu seinen Füßen sah, in der die fernen Felsrücken Schiffen im Ozean glichen, und die Ströme Silberadern, dann war ihm so froh, so ruhig zu Mut. Tag für Tag dachte er: „Wie herrlich ist dieses Leben. Wer nichts Liebes hat, der hat auch nichts Leides.“

Eines Tages nun sah er in seinem Garten ein Vögelchen, das war nicht bunt und schillernd wie die anderen, sondern einfach schwarz und weiß gefärbt und wippte mit dem Schwänzchen, daß es ein Vergnügen war, es zu sehen.

Nala dachte: „Was bist du denn für ein kleiner Patron?“ und blieb behutsam stehen, um es nicht zu stören. Da begann das Vögelchen eilig zu tippeln und nach Insekten zu schnappen, immer von einem Ende des Gartens zum anderen. Dann blieb es wohl ein Weilchen stehen, so recht keck breitbeinig und sah zutraulich zu Nala hin. Mit dem Schnabel bearbeitete es sein Gefieder, so weit es nur kommen konnte, und am drolligsten sah es aus, wenn es oben am Hals herumpickte. Dann breitete es einen Flügel aus und trat kräftig drunter, dann den anderen. Wenn es aber sein Füßchen nahm und sich am Kopf kratzte, erst eine Seite, dann die andere, so konnte Nala kaum vor Lachen an sich halten.