Als sie endlich still geworden war, fing sie an, sich zu wundern, daß er immer noch nichts sagte. „Weshalb sagst Du denn nichts? Weißt Du denn, wie ich auf diesen Baum gekommen bin?“
„Nein.“
„Nun, so frag’ doch!“
„Ich darf nicht fragen. Es ist ein Gelübde.“
„Lieber Himmel! Was für ein böses Gelübde“, sagte das Mädchen mitleidig. „Wie machst Du es aber, wenn Du den Weg verloren hast und weißt nicht wohin?“
„Es ist nicht so. Ich darf nur ein Weib nichts fragen.“
„O, das ist es“, lachte sie. „Weil Du doch nicht fragen darfst, so will ich es Dir von selber erzählen, wie ich auf diesen Baum gekommen bin. Aber wie heißt Du eigentlich?“
„Ich heiße Nala.“
„Und ich heiße Katha. Du darfst nicht denken, daß das mein richtiger Name ist, aber die Leute rufen mich so, so magst Du es auch tun. Also siehst Du, von diesem Baum sagen die Leute im Dorf, wenn ein Mädchen bei Tage hinaufklettert und alle Beeren ißt, ohne von einem Menschen gesehen zu werden, — Du mußt wissen, hier baden viele Leute —, so ist der erste Jüngling, den sie nachher trifft, ihr Zukünftiger. Wird sie aber dabei von jemandem überrascht, so ist alles verloren. Das böse ist nun, ich hatte gerade die letzte Beere gepflückt und mein Leib ist voll wie eine Tonne, da kommst Du dazu und verdirbst mir alles. Wie ich Dich sehe, erschrecke ich, trete fehl und falle runter.“
„Das tut mir entsetzlich leid,“ sagte Nala und blickte sie ganz bekümmert an. „Aber was bin ich für ein Dummkopf,“ rief er plötzlich, sich vor die Stirne schlagend. „Ich habe Dich ja gar nicht auf dem Baum gesehen, sondern erst, als Du runterfielst.“