„Ich wohne nicht in der Gesetzesgasse“, sagte Nala. „Ich wohne oben am Berg auf der anderen Seite und habe dort ein hübsches Häuschen.“
„Schadet nichts. Ich weiß schon, Du bist Nala.“ Dabei lachte sie, daß alle Zähne zu sehen waren.
Wieder hätte er von Herzen gern gefragt: „Weshalb lachst Du denn so?“ aber er durfte ja nicht. Da begann sie auch schon:
„Die Leute sagen, daß Du niemals ein Weib irgend etwas fragen dürftest. Wie willst Du aber jemals eine Frau bekommen, wenn Du nicht fragen darfst, ob sie Dich will?“
Nala bekam einen gewaltigen Schreck. Wahrhaftig! Daran hatte er noch garnicht gedacht. Er kratzte sich hinterm Ohr und sah das Mädchen bestürzt an.
„Nun“, meinte sie, „vielleicht wird es nicht so schlimm. Schließlich findest Du auch so schon eine, wenn Du recht suchst. Aber wenn Du doch mal nicht fragen darfst, so will ich dir erklären, was das Brettchen hier zu bedeuten hat: Das Zuckerrohr bedeutet: Süß muß mein Liebster sein wie Zuckersaft. Das Büffelhorn bedeutet: Stark muß er sein wie ein Büffel. Das Elfenbein bedeutet: Edel und klug muß er sein wie ein Elefant.“
„Himmel“, dachte Nala, „wenn die Weiber alle so anspruchsvoll sind, wie soll dann selbst ein Mann, der fragen darf, zu einer Frau kommen?“ Daß die Dirne ihn aber so ausgelacht hatte, das verdroß ihn sehr. Er sagte sich: „In Kandy bekommst du nie und nimmer ein Weib. Sie werden dich alle auslachen.“
Da kehrte er denn betrübt zurück, verschloß sein Haus und wanderte nach Norden zu. Er wollte so wandern, bis ihm der Zufall ein Weib zugeführt hätte. So wanderte er Tag und Tag, und wenn die Karrentreiber auf der Straße ihn frugen: „Wo willst Du hin?“ so sagte er: „Ich weiß nicht.“ Dann lachten sie und meinten, er wäre nicht recht bei Troste. Er aber dachte: „Lacht ihr nur!“ Um keinen Preis wollte er jedem Hans auf der Landstraße erzählen, daß er nach Norden zöge, um ein Weib zu suchen.
Eines Tages sah er ein Stück von der Landstraße entfernt einen schönen See liegen, der gar lockend aussah mit dem Kranz schattiger Bäume ringsum. Er ging darauf zu und war gerade im Begriff sich behaglich am Ufer hinzustrecken, da hörte er einen Schrei und sah ein Mädchen von einem Baum stürzen. Schnell sprang er zu. Es war nichts böses geschehen, aber ein Knöchel war verrenkt.
Nala setzte sich neben das Mädchen und wartete, bis sie ausgejammert hatte, denn sie gebärdete sich, nicht als ob sie einen Knöchel verrenkt, sondern als ob sie beide Beine gebrochen hätte.