In Kolombo lebte ein Mensch namens Wijasingha, der von seinem Vater ein Häuschen und 10000 Rupien geerbt hatte. Damit lebte er, ohne daß man sonderliches von ihm hörte. Der lernte eines Tages das Glück der Liebe kennen, wie die Menschen sagen. Von jeher war sein Herz der Liebe geneigt gewesen. Er liebte, geliebt zu werden. Auf alles ringsum ließ er seine Sympathien überfließen, und da all Zusammenkommen nichts ist als der Anfang der Trennung, so strichen in einem fort Wolken über seine Lebenssonne hin. Es war ein ständiger Wechsel von Licht und Schatten, von Haften und Trennen. Oft dachte er: „Wie entgeh’ ich diesem ermüdenden, schmerzhaften Spiel?“ Da kam diese große Liebe, diese wolkenlose Sonne mit strahlendem Licht, aber quälender Glut.

Der Vater seiner Geliebten war reich, geizig und stolz, und man wußte, daß schon mancher Freier von ihm abgewiesen war. Er hieß de Soysa und wohnte in der Vorstadt Kolpetti.

Als Wijasingha sich der Neigung Lucias, so hieß seine Geliebte, versichert hatte, faßte er sich ein Herz und trat mit seiner Bitte vor den Vater.

De Soysa begann bedächtig: „Freund, Du bist nicht der erste, der meiner Tochter wegen kommt, vielleicht wirst Du auch nicht der letzte sein“ — unserem Wijasingha sang der Mut gewaltig —, „indes“, fuhr de Soysa fort, „ich kannte Deinen Vater, ich kenne Dich; Ihr seid ehrbare Leute. Ich weiß auch, daß Du wohl erzogen bist. Aber wie steht es mit dem Wichtigsten?“

„O, ich denke, der Liebe Deiner Tochter bin ich gewiß.“ De Soysa lachte, daß sein Bauch etwas unruhig wurde. „Das mag für dich das Wichtigste sein, aber nicht für mich. Ich meine, wie steht es mit dem Geld? Wie viel nennst du dein eigen?“

„Du kennst mein Haus. Außerdem habe ich 10000 Rupie.“

„Nun, Freund, dann geh’ nur nach Hause. Aus dem Handel kann nichts werden.“ Als er aber Wijasinghas kummervolles und erschrecktes Gesicht sah, da kam auch in sein Herz, welches nur einer edlen Neigung, nämlich der für die edlen Metalle fähig war, etwas wie Rührung. Fast freundlich fuhr er fort:

„Siehst Du, was soll einer, der für seine Kinder sorgt, heutzutage anders machen. In früheren Zeiten galt ein Mensch so viel, als er eben war. War er wirklich was, so galt er was; war er nichts, so galt er nichts. Heute aber gilt jeder nicht das, was er ist, sondern das, was er hat. Wie sollen wir uns vor diesen Europäern anders retten, als daß wir gleichfalls beginnen, Geld aufzuhäufen? Ich weiß, es sind hier in dieser Stadt viele arme Schlucker, die im Lendenschurz und in Rindsleder-Sandalen umherlaufen, die sehen scheel auf mich, weil sie denken, es ist genug, das Wort des Buddha zu studieren und im übrigen die Welt laufen zu lassen, wie sie will. Schön! Sie sollen studieren, so viel sie wollen, aber sie sollen auch nicht heiraten. Sie schimpfen mich einen gottlosen Geldprotz. Aber glaub’ mir, Wijasingha, ich weiß, was ich tue. Du bist aber nicht gekommen, um das zu hören. Ich will milde zu Dir sein wie noch zu keinem anderen. Rühr’ Dich! Zeig, daß Du es verdienst, daß Dein Vater dir 10000 Rupie hinterlassen hat. Sie sind ihm sauer geworden, ich weiß es. Wenn Du vor mich treten und sagen kannst: 20000 Rupie sind mein eigen, so sollst Du Lucia haben, vorausgesetzt, daß sie Dich dann noch will. Bis dahin aber halte dich fern von ihr; wenn Du willst, daß ich Dir wohlgesinnt bleiben soll.“

Das war unserem Helden ein bitter-süßer Bescheid. Er hatte wohl gelernt, sich mit seinem Teil einzurichten, er wäre auch bereit gewesen, sich mit weniger zu begnügen, aber nie hatte er darüber nachgedacht, wie er wohl sein Ererbtes vermehren könnte.