Das Mädchen breitete allsogleich gar lieblich die Arme aus und spitzte das Mäulchen zum Verlobungskuß. Nala aber tat ein paar gewaltige Schnaufer, so als ob sich einer ordentlich das volle Herz frei schnauft, dann sagte er: „Wart’ ein wenig, Katha!“

Damit begann er sich den Schweiß zu wischen, erst mit dem Handrücken. Aber was war der Handrücken für diese Bäche. Dann nahm er das Sacktüchlein, dann die Ärmel seines weißen Jacketts, endlich gar den Zipfel des Lendenschurzes. Und er übereilte sich nicht, ja fast sah es aus, als wenn er sich so recht zum Vergnügen Zeit ließ, und der steinerne Buddha sah ihm zu und lächelte. Derweil saß das Mädchen fest auf ihrem Piedestal, wie einer, der niesen will und nicht kann, oder wie einer, dem das Wasser im Munde zusammengelaufen ist und der doch nicht ausspucken darf.

Als nun Nala endlich fertig war, sagte er freundlich: „Jungfer verzeiht! Es ist mir unterwegs eingefallen, Eure Hacke war doch noch im Baum, als ich Euch runterfallen sah. So müßt Ihr schon noch mal Beeren essen gehen.“ Sprach’s, machte Kehrt und ging spornstreichs nach seiner Heimat zurück.

Dort angekommen, sah er wieder auf die gewaltige Ebene zu seinen Füßen, in der die fernen Felsrücken Schiffen im Ozean glichen, und die Ströme Silberadern, und alle Tage sah er die Sonne im Osten hoch- und im Westen niedergehen. Und weil er so in stiller Ruhe Jahr für Jahr lebte, kam er schließlich in das Ansehen eines Weisen, ja in den Geruch eines Heiligen. Und wenn Leute, Unglückliche, Beladene, zu ihm kamen und ihn fragten: „Vater, wie hast Du nur den Grad dieser stillen Heiterkeit erreicht?“ so pflegte er zu antworten: „Wer nichts Liebes hat, der hat auch nichts Leides!“ Und wenn der Besucher ein Mann war, so fügte er hinzu: „Richte nie eine Frage an ein Weib.“

So kam Nala in den Ruf immer größerer Weisheit und Heiligkeit. Und wem das Leben ein leidvolles Ding geworden ist, der mag nur hingehen und sehen, ob Nala noch lebt; denn sein Sprüchlein ist ein gutes Sprüchlein.

Il Penseroso.