Einige Zeit nachher kam der Kaufmann zu Wijasingha: „Freund, unsere Sache steht schlecht, wenn wir nicht noch ein paar tausend Rupien auftreiben, um uns halten zu können. Die Funde müssen kommen, siehst Du; alles liegt nur daran, Zeit zu gewinnen. Wir haben alle Weib und Kind, Du bist ledig. Überdies wird nichts geschafft, so geht mit dem unseren auch Dein Geld verloren.“
Da entschloß sich Wijasingha, verkaufte sein Haus und tat die 4000 Rupien auch noch in diesen Handel.
Als nun trotz allem die ganze Sache verloren war, war er ein Bettler.
Lucia hatte das Unglück ihres Geliebten erfahren, und er wußte, daß sie es erfahren hatte. Damit begnügte er sich. Der Mensch ist im Unglück gefaßter und verständiger als im Glück, und weil jede Spur von Hoffnung verloren war, so sagte er: „Es ist mein Karma. Ich muß mich fügen.“ Ob es freilich bei ihm Verständigkeit oder Unbeständigkeit war, ist schwer zu sagen. Sein späteres Leben spricht fast für letzteres. Immerhin: Völlig ohne Hoffnung sein, ist wahrlich nicht das schlimmste, weil es uns anregt, aus jenem Trost zu holen, das für alles Trost bietet: das Wort des Buddha, in dem alles Leid des Menschenherzens sich auflöst wie die Monsunwolken auf den Bergen, wenn sie ins warme Tal hinabgleiten. Wenn aber der Mensch vor dem zertretenen Feuer seiner Hoffnungen sitzt und das letzte Fünkchen schürt und hütet, und nichts anderes sieht und denkt, das verdirbt dieses und das nächste Leben.
So hatte Wijasingha nichts gerettet als einen gesunden Körper. Kurz entschlossen vermietete er sich als Führer eines Karrens, der zwischen Mātabe und Jaffna verkehrte. Das ist ein rauhes Leben voll äußerer Unruhe, aber gesund und beruhigend. Wenn sie abends am Brunnen lagerten oder am See, und er abseits in der stillen Nacht saß, so glitten freilich die Gedanken zurück, wie die Wasser abwärts fließen, aber nicht in Gram und Verzweiflung, sondern in Nachdenklichkeit. Wenn der Mensch aber erst einmal dahin kommt, daß er über sein Unglück denkt, so löst es sich ihm auf im Denken. Denn wer richtig denkt, der stößt auf das große Gesetz von der Vergänglichkeit, und wer auf dieses stößt, der stößt auf das große Gesetz vom Leiden, und wer dieses wittert: „Alles ist leidvoll,“ der denkt: „Was soll das Greifen! Ich greife ja nur das Leiden. Besser wahrlich ist es, ruhig in sich zu bleiben.“
So wurde ihm seine zertretene Liebe zur Staffel, auf der er in jene heiter-stillen Regionen trat, in denen sich kein Lüftchen der Leidenschaft mehr regt. Aber es war nur ein Gefühl, kein Wissen.
Als er etwa ein halbes Jahr lang zwischen Mātabe und Jaffna gefahren war, da kam ihm der Gedanke: „Wenn ich schon mein Leben lang als Karrenführer dienen muß, was fahre ich denn gerade in diesem heidnischen Lande.“ Jaffna liegt nämlich im Tamilen-Land und die Tamilen sind Shiva-Anbeter.
So wechselte er seine Stellung und verdingte sich für einen Karren, der nach Süden fuhr. Es war ihm wohler, wenn er die Dagobas und die Viharas sah.
Er mochte auch hier wohl ein halbes Jahr gefahren sein, da kam er mit seinem Karren eines Tages nach Ratnapura, der Edelstein-Stadt, in der heute noch viele Steine gefunden werden.
Hier ereignete es sich, daß einer der Buckelochsen krank wurde, und er einige Tage warten mußte. In seiner Muße setzte er sich an das Ufer des Baches und, indem er eine handvoll Sand langsam durch die Finger gleiten ließ, dachte er: „So gleiten die Augenblicke, so gleiten die Leben. Endlos ist die Reihe der Wiedergeburten, selig die Ruhe des nie mehr Auferstehens.“