Im Laufe des Gespräches stellte sich heraus, daß es die Liebhaberei des Alten sei, allerhand fremde Gifte herzustellen. Er nutzte alle seine Beziehungen aufs eifrigste aus, um sich mit den nötigen Drogen oder Tieren versehen zu lassen. Nicht ohne einen gewissen Stolz deckte er einen Kasten in der Ecke des Zimmers ab, in welchem eine ziemlich kleine, aber häßlich dickköpfige Schlange träge dahingestreckt lag — eine javanische Giftschlange, deren Biß unrettbar und in kürzester Zeit töte. Der Name klang mir so fremd, daß ich ihn völlig wieder vergessen habe.

Der Alte war selbst früher Arzt gewesen, hatte aber die Praxis seit vielen Jahren aufgegeben, war lange im Orient gewesen und lebte jetzt nur seinen Privatstudien. Nach dem ganzen Eindruck, den ich von dem Hause empfing, mußte er begütert sein.

So interessant alles dieses sonst für mich gewesen wäre, heute hörte ich nur mit halbem Ohr. Von derjenigen, deretwegen ich gekommen war, ließ sich nichts weder sehen noch hören, und der Alte schien gar nicht zu wissen, daß er eine Tochter habe.

So heuchelte ich Interesse, um die Zeit hinzuziehen, auch jenen toten Punkt in der Unterhaltung zu vermeiden, der mich genötigt haben würde, mich zu verabschieden.

Endlich ertönte die Hausglocke. Der Alte horchte auf und sagte:

„Sicherlich meine Tochter. Sie wird sich freuen, Sie wiederzusehen.“

Damit ging er mir voraus in den Salon, ein ziemlich großes Zimmer, aber mit jener altmodischen Eleganz eingerichtet, die nur in bestimmter Umgebung sympathisch wirkt.

Nach einem Weilchen trat Vera — das war ihr Name — ein. Trotz der feinen Zurückhaltung, mit der sie mich begrüßte, fühlte ich, daß ich angenehm sei.

Die nun folgende Zeit ist, nach weltlichem Maßstab gemessen, fraglos die schönste meines Lebens. Denn so lange der Mensch nicht richtig denken gelernt hat, ist er ja gewohnt, „Schönstes“ nur das durch die Liebe verschönte zu nennen.