Frau Lamondt war sehr ungeduldig auf den versprochenen Brief von Savade. Sie sagte ihrem Manne aber nichts davon. Er schien sowohl den versprochenen Brief als auch den Besuch selber vergessen zu haben.

Endlich, nach etwa zwei Monaten kam ein Brief aus Surinam datiert.

Es war Frau Lamondt, als ob sie einen volleren Genuß von der Lektüre haben würde, wenn sie vorher ihrem Manne mitgeteilt hätte, daß sie einen Brief von Savade erhalten habe. So ging sie hinaus in den Garten, wo Lamondt gerade mit seinem Töchterchen Blindekuh spielte. Er hatte die Augen mit dem Taschentuch verbunden und tappte auf dem Rasen umher.

„Du bist gewiß wieder vom Rasenplatz runtergegangen, Dora, ich finde Dich ja nirgends.“

Er hörte ein leises Sprechen und stürzte darauf los. Beim Zufassen erwischte er einen Kleiderzipfel. „Endlich!“ rief er aus.

„Das ist ja Mama!“ rief die Kleine hinter ihm und lachte ausgelassen.

„Ja, laß nur los. Ich bin’s,“ sagte Frau Lamondt. „Ich wollte Dir gerade sagen, daß ich einen Brief von Savade bekommen habe, aber Du bist ja zu beschäftigt.“

„Du! von Savade?“ sagte Lamondt verwundert. „Was will er denn von Dir?“