„Was Du da sagst, paßt für die Gläubigen im kirchlichen Sinn. Die philosophisch Denkenden schaffen sich selber ihren Gottbegriff, in dem sie Genüge und Ruhe finden.“

„Woher wissen sie denn aber, daß das, was sie da in ihrem Gehirn zurecht gebraut haben, das richtige ist?“

„Woher weißt Du, daß der Gott, an den Du glaubst, der richtige ist?“

Lamondt sah seine Frau einen Augenblick ratlos an, dann sagte er fast trotzig:

„Ich will ja gar nichts wissen. Ich glaube eben an ihn.“

„So gehörst Du zu den Glücklichen, die glauben können. Aber bedenke die unzähligen Unglücklichen, die nicht glauben können und doch zu innerer Ruhe kommen wollen. Bedenke ihr Suchen, ihre Kämpfe.“

Lamondt warf einen fast scheuen Blick auf sein Weib. Sie kam ihm so fremd vor. Ihm wurde unbehaglich. Er versuchte umzuschwenken. Mit etwas erzwungener Lustigkeit sagte er:

„Also Du bist auch dabei, Dir selber Deinen Gottbegriff zu machen. Tutti, Tutti, wenns man glückt.“

„Das habe ich nicht gesagt. Im übrigen ist der Gegenstand schlecht geeignet zum Scherzen,“ erwiderte sie kühl.