„Du hast recht, sehr schlecht geeignet.“ Seine Stimme klang so bestimmt, daß jetzt die Reihe des Sichverwunderns an Frau Lamondt war.

Die Sache war damit eigentlich erledigt, aber sie mußte noch etwas vorbringen, was sie durchaus heute noch vom Herzen haben wollte. Es entstand eine Pause. Sie fühlte, ihr Vorhaben würde um so schwerer auszuführen sein, je länger sie die Pause werden ließe. So faßte sie sich ein Herz und sprang in die gähnende Lücke.

„Ich wollte Dir noch sagen,“ begann sie, und ihre Stimme klang infolge der innerlichen Anstrengung etwas gereizt, „daß ich Savades Brief natürlich beantworten muß. Er wird wahrscheinlich darauf wieder antworten. Dadurch könnte ein Briefwechsel zustande kommen. Hättest Du etwas dagegen einzuwenden?“

Lamondt sah sie wieder ganz erstaunt an. Dann begann er lustig zu lachen.

„Heute Abend,“ rief er, „verstehe ich Dich aber auch gar nicht. Was soll ich dagegen haben, wenn Du mit Freund Savade im Briefwechsel stehst. Habe ich überhaupt jemals etwas gegen das einzuwenden gehabt, was Du vorhattest?“ Er umfaßte sie liebkosend und streichelte ihr die Backen. „Ich bin ja von jeher Dein gehorsamer Haussklave gewesen.“

Sie konnte nicht anders als ihn anlächeln. In der Tat, ein Widerspruch ihres Mannes wäre etwas völlig unerhörtes gewesen. Sie ärgerte sich jetzt über sich selber, daß sie diese offizielle Anfrage gestellt hatte. Es kam ihr ganz lächerlich vor. Wie unnötig wichtig hatte sie diese ganze Sache dadurch gemacht.

Lamondt fuhr fort: „Werde nur nicht zu gelehrt, Tutti. Ich will ja gar keine gelehrte Frau. Im übrigen ist er der beste Kerl von der ganzen Welt. Ich kenne keinen besseren. Vergiß nur nie, ihn zu grüßen, wenn Du an ihn schreibst.“

Um etwas zu erwidern, sagte Frau Lamondt: „Sein Brief ist aus Surinam datiert.“

„O weh! Das ist ein böses Nest; etwa so wie Batavia vor 50 Jahren. Daß er sich da nur kein Fieber holt. Schreib’ ihm nur, wenn es mal irgend wie hapert, so ist ein Gläschen Genèvre immer das beste.“ Auf das Zigarren-Schränkchen zuschreitend und sich eine Zigarre anzündend fuhr er fort:

„Die Hauptsache ist nur, daß es beizeiten genommen wird.“ Und nachdem er es sich im Langstuhl bequem gemacht und einige Dampfwolken mit Aufmerksamkeit von sich geblasen hatte, begann er eine Geschichte zu erzählen von einem Bekannten, welchem nach seiner und aller anderen Ansicht ein Gläschen Genèvre zur rechten Zeit genommen das Leben gerettet hatte.