Inhalt der Kartentasche

1 [Übersichtskarte von Afrika] (1 : 56000000)

1 [Karte mit eingezeichneter Marschroute des Hauptteiles der Schutztruppe] (1 : 8000000)

21 [Bewegungs- und Gefechtsskizzen] von der Hand des Verfassers

Erstes Buch
Die Ereignisse bis zum Eintreffen der Südwest-Afrikaner

M.-G. Gruppe

Erster Abschnitt
Vor Kriegsbeginn

Als ich im Januar 1914 in Daressalam landete, da ahnte ich kaum, welche Aufgabe an mich nach einigen Monaten herantreten würde. Aber seit einem Jahrzehnt hatte der Weltkrieg mehr als einmal so nahe gedroht, daß ich mir ernsthaft die Frage vorlegen mußte, ob die mir unterstellte Truppe in einem solchen Kriege überhaupt eine Rolle zu spielen berufen wäre und welches ihre Aufgabe sein könnte. Nach der Lage der Kolonie und der Stärke der vorhandenen Kräfte — die Friedenstruppe war nur wenig über 2000 Mann stark — konnte uns nur eine Nebenaufgabe zufallen. Ich wußte, daß das Schicksal der Kolonien, wie das jedes deutschen Besitzes, auf den europäischen Schlachtfeldern entschieden werden würde. Zu dieser Entscheidung mußte jeder Deutsche ohne Rücksicht darauf, wo er sich gerade befand, das Seinige beitragen. Auch in der Kolonie hatten wir die Pflicht, im Falle eines Weltkrieges für das Vaterland zu tun, was in unseren Kräften stand. Die Frage war, ob wir die Möglichkeit hatten, die große heimische Entscheidung von unserem Nebenkriegsschauplatze aus zu beeinflussen. Konnten wir mit unseren geringen Kräften erhebliche Teile des Feindes vom Eingreifen in Europa oder auf anderen, wichtigeren Kriegsschauplätzen abhalten oder den Feinden eine nennenswerte Einbuße an Personal oder Kriegsgerät zufügen? Ich habe damals diese Frage bejaht. Allerdings ist es nicht gelungen, alle Instanzen in solchem Maße hierfür zu gewinnen, daß sämtliche für einen Krieg wünschenswerte Vorbereitungen ausgeführt werden konnten.

Es war zu überlegen, daß sich feindliche Truppen nur dann fesseln lassen würden, wenn wir den Feind wirklich an einer für ihn empfindlichen Stelle angriffen oder zum mindesten bedrohten. Es war ferner zu bedenken, daß durch eine reine Verteidigungstaktik mit den vorhandenen Mitteln nicht einmal der Schutz der Kolonie zu erreichen war. Handelte es sich doch um eine Grenz- und Küstenlänge ungefähr so groß wie die von Deutschland. Von diesem Gesichtspunkt aus ergab sich die Notwendigkeit, die geringen vorhandenen Kräfte nicht zu lokaler Verteidigung zu zersplittern, sondern im Gegenteil zusammenzuhalten, den Feind an der Kehle zu packen und ihn dadurch zu zwingen, seine Kräfte zu seinem eigenen Schutz zu verwenden. Gelang es, diesen Gedanken auszuführen, so wurde damit zugleich aufs wirksamste unsere Küste und unsere unendlich lange Landesgrenze beschützt.