Bei der Mission Mbosi lagerte ich, und der dortige Missionar Bachmann, ein langjähriger und ausgezeichneter Kenner von Land und Leuten, erzählte mir, daß ein auffallender Wechsel in den Köpfen der Eingeborenen vor sich ginge. Fremde Araber und Suaheli zeigten sich im Lande und erzählten den Leuten, daß die Deutschen nun bald fortgehen und die Engländer das Land in Besitz nehmen würden; das war im Juni 1914.

Die Weiterreise führte mich bei Iringa auch zu den Stätten, wo der große Häuptling Kwawa in der ersten Zeit den Deutschen getrotzt hatte, und bei Rugano konnten mir einzelne der zahlreich versammelten Eingeborenen ihre eigenen Beobachtungen von der Vernichtung der Zelewskischen Expedition an Ort und Stelle mitteilen.

Trotz des Bemühens, mich in den Umkreis meiner ostafrikanischen Obliegenheiten einzuarbeiten, galt ich bei alten Afrikanern als Neuling. Immerhin hatte mich meine Dienstlaufbahn in gewisser Art auf die mir vom Schicksal gestellte Aufgabe vorbereitet.

Es mag ungefähr zu der Zeit gewesen sein, als ich, ein früh aus der pommerschen Heimat verpflanzter Kadett, Cäsars Bellum Gallicum studierte, daß dem deutschen Vaterlande durch Bismarck seine ersten Kolonien geschenkt worden sind. Im Jahr 1899-1900 habe ich im Generalstab unsere eigenen wie viele ausländische Kolonien bearbeitet. Während der Chinawirren (1900-1901) lernte ich in Ostasien alle mit uns kämpfenden Truppenkontingente, besonders auch die Engländer, dienstlich wie kameradschaftlich kennen. Der Herero- und Hottentottenaufstand in Südwestafrika führte mich (1904-1906) in die Eigenart des Buschkriegs ein. Nicht nur mit Eingeborenen, sondern auch mit Buren machte ich damals im Stabe des Generals v. Trotha wie als selbstständiger Kompagnie- und Detachementsführer reiche persönliche Erfahrungen. Die ausgezeichneten Eigenschaften des seit Menschenaltern in der afrikanischen Steppe heimischen niederdeutschen Volksstammes gewannen mir Achtung ab. Daß das Burentum später entscheidend — und in gewissem Sinne tragisch — dabei mitwirken würde, den deutschen Teil Afrikas englisch zu machen, ahnte ich nicht.

Im Jahre 1906 wurde ich in Südwest verwundet. Dies führte mich nach Kapstadt, so daß ich auch die Kapkolonie oberflächlich kennenlernte. Auf der Rückreise streifte ich damals auch die spätere Stätte meines Wirkens, Deutsch-Ostafrika, zum erstenmal.

Meine spätere Stellung als Kommandeur des 2. Seebataillons in Wilhelmshaven gab mir Einblicke in das innere Leben unserer kräftig aufstrebenden Marine, die mit der deutschen Überseearbeit so eng zusammenhing. Ich nahm an Übungen und Fahrten auf großen und kleinen Schiffen, an Flottenmanövern und an einer Flottenreise nach Norwegen teil, wobei sich immer neue Seiten des allgemeinen wie des militärischen Lebens auftaten.

Auch bei der Rückkehr in die Armee gab mir der Wechsel zwischen Front- und Stabsdienst viele Anregungen und Gelegenheit zu Vergleichen. So war ich durch meine Entwicklung darauf geführt worden, mich rasch in neuen Verhältnissen zurechtzufinden. So dankbar ich für jede Erweiterung meines Gesichtsfeldes war, das Beste verdanke ich doch der heimischen Armee, bei der es mir unter der Anleitung vortrefflicher Kommandeure vergönnt war, den rechtverstandenen Geist militärischen Lebens und echter Disziplin kennenzulernen.

[1] Askari heißt „Soldaten“ und bedeutet keinen besonderen Stamm.

[2] M. Merker, Die Massai, Berlin 1901 (2. Aufl. 1910).

Zweiter Abschnitt
Der Beginn des Krieges