Ich vernahm nichts als das Schlagen meines Herzens in der Stille.
Aber die Mondstrahlen fielen durch das in gleicher Entfernung voneinander stehende Bambusrohr vor meiner Hütte bis auf mein Bett. Und dieser gleichmäßige Schein erweckte in mir die Vorstellung eines Musikinstrumentes, der Rohrpfeife der Alten, die den Maories bekannt ist und von ihnen Vivo genannt wird. Mond und Bambusrohr zeichneten es übertrieben: als ein Instrument, das tagsüber schweigt, aber nachts, dank dem Monde, dem Träumer liebe Melodien ins Gedächtnis zurückruft. Ich schlief bei dieser Musik ein.
Zwischen dem Himmel und mir nichts als das hohe, leichte Dach von Pandanusblättern, in denen die Eidechsen nisten.
Ich bin weit fort von jenen Gefängnissen, den europäischen Häusern!
Eine maorische Hütte trennt den Menschen nicht vom Leben, von Raum und Unendlichkeit ...
Indessen fühlte ich mich dort sehr einsam.
Die Bewohner der Gegend und ich beobachteten einander gegenseitig, und der Abstand zwischen uns blieb der gleiche.
Seit dem zweiten Tage waren meine Vorräte erschöpft. Was tun? Ich hatte geglaubt, für Geld alles Notwendige zu finden. Ich hatte mich jedoch getäuscht. Sobald man die Stadt verlassen hat, muß man sich an die Natur halten, um zu leben, und sie ist reich, sie ist freigebig und verweigert keinem einen Anteil an ihren Schätzen, die unerschöpflich an Bäumen, in den Bergen und im Meere aufgespeichert sind. Aber man muß verstehen, auf die hohen Bäume zu klettern, die Berge zu besteigen und mit schwerer Beute beladen zurückkehren, man muß Fische fangen, tauchen, auf dem Meeresgrund die fest an den Steinen haftenden Muscheln losreißen können, – man muß wissen, muß können.
Ich, der Kulturmensch, stand in dieser Hinsicht weit hinter den Wilden zurück. Ich beneidete sie. Ich sah ihr glückliches, friedliches Leben um mich her, ohne größere Anstrengung, als die täglichen Bedürfnisse es erforderten – ohne die geringste Sorge um Geld. Wem sollte man etwas verkaufen, wo die Erzeugnisse der Natur jedem zu Gebote stehen?
Da, als ich mit leerem Magen auf der Schwelle meiner Hütte saß und betrübt an meine Lage und die unvorhergesehenen, vielleicht unüberwindlichen Hindernisse dachte, die die Natur zwischen sich und den Kulturmenschen stellt – bemerkte ich einen Eingeborenen, der mir gestikulierend etwas zurief. Die sehr ausdrucksvollen Gebärden ersetzten die Worte, und ich verstand, daß mein Nachbar mich zum Essen einlud. Mit einem Kopfschütteln lehnte ich ab. Dann ging ich beschämt, ich glaube ebensosehr, weil ich das Anerbieten zurückgewiesen, wie wenn ich es angenommen hätte, in meine Hütte zurück.