Charles Baudelaire.

Nach dreiundsechzigtägiger Überfahrt, dreiundsechzig Tagen fieberhafter Erwartung, bemerkten wir am 8. Juni in der Nacht seltsame Feuer, die sich im Zickzack auf dem Meere bewegten. Von dem dunkeln Himmel löste sich ein schwarzer Kegel mit zackigen Einschnitten.

Wir umschifften Morea und hatten Tahiti vor uns.

Einige Stunden später begann der Tag zu grauen, wir näherten uns langsam den Klippen, liefen in das Fahrwasser ein und landeten ohne Unfall an der Rhede.

Der erste Anblick dieses Teils der Insel bietet nichts Außergewöhnliches, nichts, das sich z. B. mit der herrlichen Bucht von Rio de Janeiro vergleichen ließe.

Es ist der Gipfel eines zur Zeit der Sintflut überschwemmten Berges. Nur die äußerste Spitze ragte aus der Flut hervor: eine Familie flüchtete sich dahin und gründete ein neues Geschlecht – dann kletterten die Korallen daran empor, setzten sich rings um die Bergspitze fest und bildeten im Laufe der Jahrhunderte neues Land. Es dehnt sich immer noch aus, bewahrt aber den ursprünglichen Charakter der Einsamkeit und Abgeschiedenheit, die das Meer in seiner Unendlichkeit noch erhöht.

Um zehn Uhr morgens stellte ich mich bei dem Gouverneur, dem Neger Lacascade, vor, der mich wie eine Persönlichkeit von Ansehen empfing.

Ich verdankte diese Ehre meiner Mission, mit der die französische Regierung mich – ich weiß nicht warum – betraut hatte. Allerdings war es eine künstlerische Mission, aber in den Augen des Negers war dies Wort nur das offizielle Synonym für Spionage, und ich bemühte mich vergebens, ihn davon abzubringen. Jedermann in seiner Umgebung teilte seine irrige Ansicht, und als ich sagte, daß meine Mission unbezahlt sei, wollte mir dies niemand glauben.

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Das Leben zu Papeete wurde mir bald zur Last.