Das war ja Europa – das Europa, von dem ich mich zu befreien geglaubt hatte! – und dazu noch unter den erschwerenden Umständen des kolonialen Snobismus und der bis zur Karikatur grotesken Nachahmung unserer Sitten, Moden, Laster und Kulturlächerlichkeiten.
Sollte ich einen so weiten Weg gemacht haben, um das zu finden, gerade das, dem ich entflohen war!
Aber ein öffentliches Ereignis interessierte mich doch.
Der König Pomare war zu dieser Zeit tödlich erkrankt, und die Katastrophe wurde täglich erwartet.
Die Stadt hatte allmählich ein sonderbares Aussehen angenommen.
Alle Europäer, Kaufleute, Beamte, Offiziere und Soldaten lachten und sangen wie sonst auf den Straßen, während die Eingeborenen sich mit ernsten Mienen und gedämpfter Stimme vor dem Palast unterhielten.
An der Rhede auf dem blauen Meer mit seiner in der Sonne oft jäh aufblitzenden, silberfunkelnden Klippenreihe herrschte eine ungewöhnliche Bewegung orangefarbener Segel. Es waren die Bewohner der benachbarten Inseln, die herbeieilten, den letzten Augenblicken ihres Königs – Frankreichs definitiver Besitznahme ihres Landes beizuwohnen.
Durch Zeichen von oben hatten sie Kunde davon erhalten: denn jedesmal, wenn ein König im Sterben liegt, bedecken die Berge sich an bestimmten Stellen bei Sonnenuntergang mit dunkeln Flecken.
Der König starb und ward in großer Admiralsuniform öffentlich in seinem Palast ausgestellt.
Dort sah ich die Königin Maraü – dies war ihr Name –, die den königlichen Saal mit Blumen und Stoffen schmückte. – Als der Leiter der öffentlichen Arbeiten mich wegen der künstlerischen Ausstattung des Leichenbegängnisses um Rat fragte, wies ich ihn an die Königin, die mit dem schönen Instinkt ihrer Rasse überall Anmut um sich verbreitete und alles, was sie berührte, zu einem Kunstwerk gestaltete.