... Die Prinzessin trat in meine Kammer, wo ich leidend, nur mit einem Paréo[1] bekleidet, auf dem Bett lag. Wahrlich keine Art, eine Frau von Rang zu empfangen.

Ja orana (ich grüße dich), Gauguin, sagte sie. Du bist krank, ich komme, um nach dir zu sehen.

– Und du heißest?

– Vaïtüa.

Vaïtüa war eine wirkliche Prinzessin, wenn es solche überhaupt noch gibt, seitdem die Europäer alles auf ihr Niveau herabgedrückt haben. Freilich war sie als einfache Sterbliche mit nackten Füßen, eine duftende Blume hinterm Ohr, in schwarzem Kleide gekommen. Sie ging in Trauer um den König Pomare, dessen Nichte sie war. Ihr Vater, Tamatoa, hatte trotz der unvermeidlichen Berührung mit Offizieren und Beamten, trotz der Empfänge bei dem Admiral, niemals etwas anders sein wollen als ein königlicher Maorie, ein gigantischer Raufbold in Momenten des Zornes, und bei abendlichen Orgien ein berühmter Zecher. Er war gestorben. Vaïtüa, behauptete man, gliche ihm sehr.

Ein skeptisches Lächeln auf den Lippen, betrachtete ich diese gefallene Prinzessin mit der Dreistigkeit des eben auf der Insel gelandeten Europäers. Aber ich wollte höflich sein.

– Es ist sehr freundlich von dir, daß du gekommen bist, Vaïtüa. Wollen wir zusammen einen Absinth trinken?

Und mit dem Finger weise ich in eine Ecke der Kammer auf eine Flasche, die ich soeben gekauft hatte.

Ohne Unmut noch Freude zu zeigen, geht sie einfach hin und bückt sich, um die Flasche zu nehmen. Bei dieser Bewegung spannte ihr leichtes, durchsichtiges Kleid sich über den Lenden, – es waren Lenden, eine Welt zu tragen! O, sicherlich war es eine Prinzessin! Ihre Vorfahren? Stolze, tapfere Riesen. Fest saß ihr stolzer, wilder Kopf auf den breiten Schultern. Zuerst sah ich nur ihre Menschenfresserkiefer, ihre zum Zerreißen bereiten Zähne, den lauernden Blick eines grausamen, listigen Tieres und fand sie trotz einer schönen edlen Stirn sehr häßlich.

Wenn ihr nur nicht einfiele, sich auf mein Bett zu setzen! Ein so schwaches Gestell könnte uns beide ja nicht tragen ...