Es kommt gerade bei ihnen viel auf den Ort, das Wetter und das glückliche Arrangement an, um sie gelingen zu lassen. Zwei jener drei Feste sind mir in durchaus freundlicher Erinnerung. Das auf der sogenannten Jagdschenke, in der Nähe von Siegmar bei Chemnitz, und dasjenige in Einsiedel, einem von Chemnitz in etwa zwei Stunden erreichbaren idyllisch gelegenen Dorfe. Der Tag war schön, der Himmel blau, die Luft klar. Bei dem ersten Feste spielten die Kinder sichtlich die Hauptrolle; es war ein echtes, volkstümliches Jugendfest mit Kinderwagen und Kindergeschrei, mit Blechtrompetentönen und Ziehharmonikamusik, mit Sternschießen und Luftballon. Wie harmlos man sich da freute, zeigt ein originelles Spiel, das mir neu war. Ein junger Arbeiter in buntem Kostüm hatte sich ganz mit einfachen Pfefferkuchenstückchen behängt; so trat er unter die Kinder und ließ sich nun von ihnen jagen; wer ihn einholte, durfte sich solch ein süßes Stückchen von seinem Leibe reißen. Das gab eine lustige, tolle Jagd, das Bild eines modernen Rattenfängers von Hameln. Auch über die Spiele, die mehrere Arbeiter geschickt und unermüdlich mit den Kindern arrangierten, und denen eine große Menge Erwachsener lustig lachend zusah, freute ich mich. Da spielte man einmal sichtlich ohne Parteitendenz, wie das bekannte, abwechslungsreiche: Adam hatte sieben Söhne und ähnliches. Die Tanzlustigen vergnügten sich dabei in einem sehr primitiven Saale bei Zithermusik an Walzer und Polka, die Mehrzahl der Verheirateten draußen im Freien unter den Bäumen des Gartens. Das besondre Charakteristikum dieser sozialdemokratischen Feste war auch hier vertreten: das Raritätenkabinett und die Sitte der Arretierungen. Aber dies schildere ich besser bei der Erzählung von dem Feste in Einsiedel, das schon wieder einen andern, nicht mehr so ganz tendenzlosen naiv-heitern Charakter trug. Vielleicht mochte das auch an den allzuvielen Chemnitzer Genossen liegen, die hier im Gegensatz zu dem Feste in Siegmar das Übergewicht gegen die ortseingesessenen Teilnehmer bildeten und den Ton angaben, der, wenn er von diesen großstädtischen, in sozialdemokratischer Gesinnung und Gebaren gedrillten Arbeitern ausgeht, der Liebenswürdigkeit und ungekünstelten Natürlichkeit zu entbehren pflegte.

Einigermaßen interessant ist das Programm, das mit roten Lettern auf gelbem Kartonpapier gedruckt, einem auf diesem zweiten Feste in Einsiedel gegen die Zahlung von 15 Pfennigen Eintrittsgeld übergeben wurde und folgendermaßen lautete:

Ergebenste Einladung

zum

grossen Sommer-Fest

des

Wirker-Fachvereins für Einsiedel und Umgegend unter Belustigungen grosser und kleiner Kinder beiderlei Geschlechts

Sonntag, den 3. August 1890

im Kaiserhof zu Einsiedel.