Eines Tages erhielten zwei Mann unsrer Kolonne den Auftrag, Riemenscheiben, große fünfzehn bis zwanzig Centimeter breite eiserne Räder, auf denen die Treibriemen der einzelnen Maschinen laufen, aus dem Parterre auf die zweite Empore hinaufzuschaffen. Wir luden jeder ein paar davon auf die Schultern und kletterten hinauf. Da, wo wir sie aufreihen sollten, saß einsam am Fenster ein Arbeiter in den besten Jahren. Er hatte unaufhörlich hunderte kleiner stählerner Federn mit immer demselben Loche zu versehen. Neben ihm lag, unter einer Platte halb verborgen, die neueste Nummer der „Presse.“ Von seinem hohen Fenster aus übersah er die ganze Stadt mit ihren hundert rauchenden Schloten.

Mein Arbeitsgenosse, der stark schnupfte, trat zu ihm und bot ihm eine Prise. Aus der respektvollen Art, wie er es that, merkte ich, daß der neue Bekannte einer der geistig bedeutendern Arbeiter in der Fabrik und ausgesprochener Sozialdemokrat sein mußte. Ich nahm auch ein Prise, und bald waren wir im Gespräch.

Er fragte, warum ich eigentlich hierher in die Fabrik gekommen wäre. Ich log ihm schweren Herzens mein Märlein vom arbeitslosen Expedienten vor.

Was war das für eine theologische Zeitung, die Ihr Pastor da herausgab, forschte er dann weiter. Etwa wie das Sonntagsblatt „Der Nachbar“?

Nein, gab ich zurück. Das Blatt schreibt für die Gebildeten, die Studierten, besonders die Nichttheologen unter ihnen. Sein Ziel ist, in seinen Artikeln den Beweis zu führen, daß zwischen Christentum und Kultur, zwischen Religion und Wissenschaft durchaus keine Kluft besteht.

Das ist nicht wahr; da kann Ihr Pastor lange machen; so ein Beweis ist unmöglich.

Das bestreite ich denn doch noch, erwiderte ich.

Die moderne Wissenschaft....

Die moderne Wissenschaft, die auf der Naturforschung ruht, hat sich nur mit der sichtbaren Welt, mit der weiten sinnlich wahrnehmbaren Natur um uns her zu befassen; sie kann nur das studieren, was wir hören, sehen, fühlen, schmecken, riechen, und nur darüber kann sie ein Urteil haben.