Es muß also eine Kraft vorhanden gewesen sein, die ihn erzeugt hat und aus ihm wieder das ganze Universum sich hat entwickeln lassen? Nennen wir diese Kraft einmal Gott. Wir sehen, daß in dem Entwicklungsprozesse und der dadurch entstandenen Welt bestimmte Gesetze herrschen. Sie müssen aus dieser Kraft stammen. Wo aber Gesetzmäßigkeit und Ordnung ist, muß Vernunft, Geist vorhanden sein. In dieser Welt haben sich nun nicht nur Steine und Pflanzen, sondern auch Tiere und Menschen entwickelt — natürlich unter dem Einflusse dieser Kraft. Menschen sind vernunft- und geistbegabte Persönlichkeiten. Die vernunftbegabte Kraft, die sie erzeugt, muß Herrin ihrer Erzeugnisse, mehr als diese, mindestens also aber auch eine vernunftbegabte, geistige Persönlichkeit sein. Ferner das Höchste nun, was der Mensch kennt, die Vollkommenheit, nach der er ringt, liegt in der Liebe. Die schöpferische, zielbewußte, vernunftbegabte, persönliche Kraft muß aber das haben und sein, wonach die streben, die sie geschaffen hat. Daraus folgt: es giebt einen persönlichen Gott, und dieser ist die Liebe, der Vater seiner Geschöpfe.

Aber mein Gegner schüttelte den Kopf und erwiderte nur:

Mein Glaube ist: Die Natur ist Gott, aber kein vernünftiges Wesen, sondern einfach Kraft.

Es war die folgerichtige Antwort, die ich erwartet hatte. Denn solche Beweise haben nur für den Wert, der schon Christ ist.

So haben Sie also doch auch einen Glauben, fuhr ich fort, als er wieder schwieg.

Ja; aber das Christentum ist ein Wahnglaube. Es ist erst im vierten Jahrhundert entstanden, wo es durch Majoritätsbeschluß zu stande kam... Die Bibel ist ein Buch wie jedes andre. Sie ist auch erst fünfhundert Jahre nach Christo nach Belieben zusammengesetzt. Es ist ein Ausbeutungsbuch für die Großen. In der Bibel steht alles drin; man kann alles herauslesen. Und die einzelnen Bücher sind erfunden.

Ich erwiderte, daß sei doch wohl etwas zu viel behauptet:

So viel ich von dem Pastor weiß, bei dem ich war, haben Universitätsprofessoren, das genau untersucht und festgestellt, welche Bücher auf keinen Fall bloß erfunden sind. So weiß man, glaub ich, bestimmt, daß die Briefe an die Römer, Korinther und Galater vom Apostel Paulus herrühren.

Aber er fährt fort:

Es existiert kein einziges gerichtliches (!) Dokument von Christus, wie doch von Sokrates und solchen Leuten. Wie kommt es, daß über das zwölfte bis dreißigste Lebensjahr von Christus nichts bekannt ist? Das zeigt doch, daß auch das übrige von ihm sagenhaft ist.