Aber meiner. Übrigens sind die Pfaffen selbst an der ganzen Feindschaft des Volkes gegen die Kirche schuld. Denn sie haben Partei für die „großen Herren“ genommen. Nur wenige machen davon eine Ausnahme. Zum Beispiel einer in unsrer Nähe, in Langenberg.

Diese Geringschätzung gegen die „Pfaffen,“ die hier wieder und ganz offen zum Ausdruck kam, war so allgemein wie dieser Name, der überall im Munde der Leute, auch halbwegs wohlgesinnter, war. Ganz natürlich. Wem die Kirche nur noch als ein äußerliches, öffentliches Institut, ein politisches und wirtschaftliches Machtmittel in der Hand des Interessenstaates und der selbst ungläubigen Bourgeoisie erscheint, hat natürlich auch keine Achtung und Ehrerbietung vor ihren amtlichen Trägern und Dienern, die ihm folgerichtig nur als Heuchler gelten müssen, weil sie ihre Überzeugung opfern, um eine bequeme Versorgung und Existenz zu haben. So war es häufig, daß man die „Schwarzkittel“ gar nicht etwa mehr haßte, sondern nur noch verachtete. Man sah sie auch geradezu als Tagediebe und Faulenzer an, weil man keine Schätzung mehr für geistige Arbeiten besaß, die nicht augenblickliche, sichtbare materielle Werke schaffen, und weil man auch keine Einsicht in den Umfang und die Art der Thätigkeit hatte, die einem gewissenhaften und gewandten Pfarrer obliegt. Das alles kam oft zu drastischem, für mich besonders schmerzlichem Ausdruck. So gleich in derselben Stunde, in der ich das letzterzählte Gespräch hatte, bei demselben Kinderfeste im Munde noch eines Anwesenden, der aber nicht unsrer Fabrik zugehörte, und den ich sonst nicht kannte.

Er unterhielt sich mit einem anscheinend zufällig hereingekommenen Lehrer, während ich als unbeteiligter dritter daneben stehend unbemerkt zuhörte. Der Lehrer versuchte ihn sachlich und leidenschaftslos, aber mit viel Geschick und ohne große Worte eines bessern zu belehren. Aber jener ließ sich nicht belehren.

Ach was; über die Kirche sind wir lange hinaus. Was der Pfaffe quasselt, kann ich auch, wenn ich wie er die ganze Woche dazu Zeit hätte. Der lernts doch bloß aus Büchern auswendig.

Sein Gegner sagte ihm, wie falsch das wäre; man müßte doch auch erst auf Gymnasium und Universität etwas Ordentliches gelernt und gearbeitet haben; man müßte manche gewichtige Examina bestehn — aber darauf hatte der aufgeblasene Schreihals, denn das war er, immer nur ein geringschätziges, abweisendes Ach was, sodaß der andre bald darauf verzichtete, sich weiter mit ihm einzulassen.

Dieselbe Meinung hörte ich auch schon, fast bis aufs Wort übereinstimmend, während der ersten Tage meines Herbergsaufenthaltes. Da war ein Barbier, von dem ich noch im folgenden Kapitel etwas zu erzählen haben werde, ein halber Pennbruder, der in Chemnitz von Herberge zu Herberge ging und Zureisende für fünf Pfennige rasierte und für zehn Pfennige ihnen die Haare schnitt. Eben bei der Ausübung seines Handwerks, natürlich mitten im Gastraum der Herberge, redete er mit seinem Opfer, das er gerade unter den Händen hatte, auch einmal vom Pastor:

Auch der hat nichts als eine Profession, von der er lebt; er muß das eben machen, dafür ist es sein Handwerk. Natürlich kann er nicht beweisen, was er da vorquasselt; das ist bloßer....

Dreck und Quatsch, ergänzte der andre.