Ich komme ooch in keene Kärche, lallte dann einer unsrer stets halb angetrunkenen Stammgäste dazu. Ich war emal drinne. Das ist aber lange her. Ich wollte ooch bloß drin schlafen; von Andacht keene Spur. Albernheit — Andacht!

Dann hörte ich einmal fünf junge, in der Mehrzahl verheiratete Männer, die alle aus demselben etwa eine Stunde von Chemnitz gelegenen Dorfe zu uns auf Arbeit kamen, sich bei dem Frühstück ebenfalls über ihren Pastor und ebenfalls wenig schmeichelhaft unterhalten. Einer hatte ganz sachlich von den Einnahmen des Kaisers geredet, und sie hatten ausgerechnet, wie viel er an einem Tage zu verzehren hätte. Dazu fügte nun sein Nachbar hinzu:

’S ist wie bei unserm Pastor, dem Spitzbuben. Der hat 27½ Thaler die Woche und ist trotzdem nicht damit zufrieden. Die Pfarre war früher ein großes Bauerngut. Als er nun herkam und sie sah, that er wunder wie erfreut. Sie hätte ja so viel Stuben, daß er gar nicht wüßte, wo er die Möbel alle hernehmen sollte, hätte er gesagt. Und kaum ist er ein halbes Jahr bei uns, verlangt er auf einmal eine neue Pfarre, weil die alte ihm über dem Kopfe zusammenbrechen könnte.

Ja, ergänzte ein andrer, und dazu predigt der Kerl stets genau nur 25 Minuten; aller fünf Minuten sieht er während der Predigt einmal nach der Uhr.... Dann sagt er immer, daß er keinen Unterschied zwischen reich und arm mache, und macht ihn immer, besonders bei Trauungen und Taufen.... Aber ich habs dem Schwarzkittel neulich einmal gründlich gesteckt, im Gasthof wars, und er hat mir kein Wort geantwortet, sondern ging weg.

Dann erzählte der erste wieder:

Einmal hat er gesagt, mit neun Mark könnte eine Familie in der Woche gut auskommen, und er selber hat 83 Mark! Und kommt doch nicht damit aus! Denn als er ein Kind bekam, verlangte er aus diesem Grunde 200 Mark jährlich mehr! Geht mir nur mit dem ganzen Pastorenkram.

Damit meinte er auch das Christentum, dessen Träger der Pastor ja vor allen sein soll.

Mitten in dies Gespräch hatte der vierte eine andre Episode erzählt, seine Erlebnisse bei den Kirchgängen während seiner Militärzeit, haarsträubende Dinge, die aber nur meine eignen Erfahrungen bestätigten.

Da sei während der Predigt unter der Kirchbank Skat gespielt worden, daß es eine Lust gewesen wäre. Ja einer hätte aus der Schnapsflasche Nordhäuser getrunken, indem er das Taschentuch über sie gehalten und gethan hätte, als schnaubte er sich die Nase.

Man lachte herzlich darüber und schimpfte dann wieder auf den Pastor weiter. Ich konnte nun freilich nicht kontrollieren, mit wieviel Recht. Darauf kommt es aber auch hier nicht an. Die Hauptsache ist, daß man daran sieht, wie unendlich rücksichtsvoll und taktvoll ein Pfarrer sein muß, wie sehr er auf sich zu achten hat, um keinen begründeten oder unbegründeten Anstoß zu geben.