Ein dunkler Zorn überflog ihre Brauen. Doch hielt sie an sich und sagte, den Türgriff fassend: "Womit habe ich Spott verdient? Ihr verspreche es ohne Bedingung, von Eurer Ehre erwarte ich's, Signor."

"Willst du mich so verstoßen, nachdem du mir den Liebestrank bis ins innerste Mark geflößt und mich für immer dir zu eigen gemacht hast, Fenice?"

Sie schüttelte ruhig das Haupt. "Es ist hinfort kein Zauber mehr zwischen uns", sagte sie dumpf. "Ihr habt Blut verloren, ehe der Trank gewirkt hatte, der Bann ist gelöst. Und es ist gut so, denn ich habe unrecht getan. Laßt uns nicht mehr davon reden und sagt nur, daß Ihr gehen werdet. Ein Pferd wird bereit sein und ein Führer, wohin Ihr wollt."

"Wenn es denn dieser Zauber nicht mehr sein kann, der mich an dich bindet, so muß es wohl ein anderer sein, für den du nicht kannst, Mädchen. So wahr mir Gott gnade—"

"Still!" unterbrach sie ihn und schürzte finster die Lippe. "Ich bin taub für solche Worte, wie Ihr sie sagen wollt. Wenn Ihr meint, mir etwas schuldig zu sein, und Euch mein erbarmen möchtet—so geht, und die Rechnung ist damit ausgeglichen. Ihr sollt nicht denken, daß dieser mein armer Kopf nichts lernen kann. Ich weiß jetzt, daß man einen Menschen nicht erkaufen kann, sowenig mit armseligen Diensten, die sich von selbst verstehen, als mit sieben Jahren des Wartens—die sich auch von selbst verstehen vor Gott. Ihr sollt nicht denken, daß Ihr mich elend gemacht habt Ihr habt mich geheilt! Geht! und nehmt meinen Dank mit Euch!"

"Antworte mir vor Gott!" rief er außer sich und trat ihr näher, "habe ich dich auch geheilt von deiner Liebe?"

"Nein", sagte sie fest. "Was fragt Ihr danach? Sie ist mein, Ihr habt kein Recht und keine Macht über sie. Geht!"

Damit trat sie zurück und über die Schwelle. Im nächsten Augenblick lag er hingestürzt auf den Steinen zu ihren Füßen und umfaßte ihre Kniee.

"Wenn es wahr ist, was du sagst", rief er im höchsten Schmerz, "so rette mich, so nimm mich an, nimm mich auf zu dir, oder dieser Kopf, den ein Wunder in seinen Fugen erhalten hat, wird in Scherben gehen samt diesem Herzen, das du verstoßen willst. Meine Welt ist leer, mein Leben eine Beute des Hasses, meine alte und meine neue Heimat verbannt mich, was soll ich noch leben, wenn ich auch dich verlieren muß!"

Da sah er auf zu ihr und sah aus den geschlossenen Augen helle Ströme brechen. Noch war ihr Antlitz regungslos, dann atmete sie tief auf, ihre Augen öffneten sich, ihre Lippen bewegten sich, noch ohne Worte; das Leben blühte wie auf einen Schlag in ihr auf. Sie beugte sich herab zu ihm, ihre kräftigen Arme hoben ihn auf—"du bist mein!" sagte sie bebend. "So will ich dein sein!"-Als die Sonne des andern Tages aufging, sah sie das Paar auf dem Wege nach Genua, wohin Filippo vor den Nachstellungen seiner Feinde sich zurückzuziehen beschlossen hatte. Der hohe blasse Mann ritt auf einem sicheren Pferde, das seine Braut am Zügel führte. Zu beiden Seiten zogen sich Höhen und Gründe des schönen Apennin in der Klarheit des Herbstes, die Adler kreisten über den Schluchten und fern blitzte das Meer. Und still und leuchtend wie dort das Meer, lag vor den Wanderern die Zukunft.