Da flogen die Spatzen wieder gar eifrig nach den Blumen, bissen sie ganz unten ab mit ihren scharfen Schnäbeln und brachten sie ihrem Herrn. Der sagte ganz leise Brrrr! und fragte dann die Prinzessin, ob sie die Kuhblumen wohl aus seiner Hand essen wolle; einen Teller habe er leider nicht, aber sie sei ganz appetitlich und sauber. Die Blindekuh erwiederte: Danke schön, und mach' nur keine Umstände! Darauf fraß sie die Blumen betrübt in sich hinein und ging weiter, und das wiederholte sich, so oft die Vögel einige zusammengeholt hatten. Ach, dachte der Kuhjohn, zu einem Haufen ist es doch zu wenig! Und wie soll ich's nun gar anfangen, mein bischen Verstand zu verlieren? O die böse Melkmarei! ich hätt' ihr so was nimmer zugetraut. – In solchen Gedanken machte er die Reise niedergeschlagen weiter und sein Miethszettel wedelte wehmüthig hinterdrein.

Der König Grobianus aber, wie er merkte, daß seine Tochter verschwunden war, gerieth in einen kirschbraunen Zorn und ließ sogleich nachforschen, wie es wohl zugegangen sein könne. Da fand sich denn, daß der kleine Kuhjohn auch vermißt wurde, und der König kam auf den Verdacht, der Kleine habe die Prinzessin entführt, worüber er sehr grob wurde. Er schickte sogleich eine Menge Soldaten nach allen Richtungen aus, um die Entflohenen zu suchen, und ließ von allen Thürmen Sturm läuten, damit der Skandal in der Stadt noch lauter würde, als die skandalöse Entführung. Die Soldaten fanden auch nichts; denn als der eine Trupp den Weg entlang kam, den die Blindekuh mit ihrem Gefolge eingeschlagen hatte, hörte die Prinzeß schon von ferne das Pferdegetrappel und flüsterte ihrem Führer ängstlich zu: Ach, das sind meines Vaters Reiter, die er uns nachgeschickt hat. Versteck mich irgendwo! – Der Kuhjohn aber war gescheidt genug; er rief den Vögeln und sagte:

Der Prinzessin zu Gefallen
Nehmet Sand in Schnabel und Krallen,
Streut ihn in der Reiter Augen,
Daß sie nicht zum Spähen taugen;
Aber Spätzlein, macht geschwind,
Eh ein böser Blick uns find't!

Nun hätte man die Vögel sehen sollen, wie geschickt sie den Reitern Sand in die Augen streuten, daß die ganz betroffen umkehrten und einfach sagten, sie hätten nichts gefunden. Da wurde der König noch böser und ließ einen langen Steckbrief in die Zeitung setzen, in welchem dem ehrlichen Finder, der die Prinzessin und einen sichern Kuhjohn mit dem Miethszettel wiederbrächte, die Prinzessin und das halbe Königreich versprochen wurde. Die Melkmarei aber, die von bösen Zungen als Hexe verschrieen wurde, ließ der König auf offnem Markte verbrennen. Da ward es klar, daß sie eine richtige Hexe war. Denn als die Lohe hoch aufschlug, hörte man inmitten der Flammen eine heisere Stimme singen:

Der König Rex
Hat Macht so viel,
Ist doch ein Spiel
Griesegrauer Hex!

Sein Töchterlein,
Vom Zauber bezwungen,
Läuft mit dem Kuhjungen
In die Welt hinein.

Weh, Windchen weh!
Dann geht's in die Höh.
Herr König, ade!
Siehst sie nimmermeh!

Und da flog wahrhaftig eine schwarze Rabe in die Höhe, krächzte oben noch ganz höhnisch und flog davon, nachdem sie zuvor auf des Königs Krone etwas hatte fallen lassen, wovon das blanke Gold eben so blind ward, wie des jungen Tobias Augen dereinst.

Der kleine John mit der Blindekuh war indessen immer weiter gegangen und fing allmählich an, sich nach den Brodsuppen der Melkmarei zu sehnen. Obenein sah er's auch den Spatzen an, daß sie Hunger hatten; denn es war gerade die Stunde, wo sie sonst zu Nacht aßen, da sie bei ihm in Kost gingen auf dem Futterboden. Nun schaute er ringsum, ob er keine Beeren sehn könnte; aber es wuchs auch nicht das Geringste in dem bösen öden Walde. Wie er den weißen Mond hinten durch die Bäume gucken sah, glaubte er erst, es wär' ein großer Käse, der sich irgendwie auf die Wipfel verlaufen hätte. Nachher aber sah er seinen Irrthum betrübt ein, und da wußte er gar nichts besseres anzufangen, als daß er ein altes Lied sang:

Das Fechten ist verboten,
Das Mausen ist nicht erlaubt;
Da dürst' ich nun nach Noten,
Ermattet und verstaubt!