Eines Tages ging sie gerade beim Kuhstall vorbei und bekam Lust, die Nase hineinzustecken. Der kleine Kuhjohn machte eben dem lieben Rindvieh die Streu und war so geschäftig, daß ihm sein Miethszettelchen fleißig hin und her wackelte. Wie er die Prinzessin in der Stallthür stehen sah, zog er seine Kappe in aller Eile und präsentirte seine Mistgabel nach Art der Soldaten. Darüber fing Naserümpfchen laut an zu lachen und sagte: Puh! 's ist doch entsetzlich muffig hier. Ach, und der kleine Kuhjohn mit dem Miethszettel ist ein rechter Mistfink! – Zufällig saß die Melkmarei auch im Stall und hörte das Alles. Es griff aber sehr an ihre Ehre; denn der Kleine war ja ihr Freund und für den Stall hatte sie mit zu sorgen. Da wurde sie so erbos't, daß sie ihren Topf mit Brodsuppe Naserümpfchen über den Kopf goß und dabei folgenden Hexenspruch sagte:

Panorama Diorama
Spargnapani Cosmorama.
Naserümpfchen, werde zu
Einer weißen Blindekuh!
Sollst so lang vierfüßig laufen,
Bis du einen ganzen Haufen
Von Kuhblumen aufgefressen
Und den Hochmuth hast vergessen.
Will sich dann ein Mensch mit Grämen
Dein Geschick zu Herzen nehmen,
Daß er den Verstand verliert,
Dann ist Blindekuh kurirt.
Hokuspokus, Naserümpfchen
Mit den weißen Kuhhaarstrümpfchen!
Maccaroni Melodrama
Capuletti Monodrama!

Sie war kaum damit fertig, da war auch die Verwandlung schon vollendet, und statt der schönen Prinzessin stand eine gar zierliche weiße Blindekuh vor dem Stalle. Die Melkmarei ging hustend und schmunzelnd ihrer Wege und warf kaum noch einen Blick auf das arme verwunschene Naserümpfchen. Aber der kleine Kuhjohn bekam einen so gewaltigen Schreck, daß ihm die Mistgabel aus der Hand fiel. Darauf überlegte er, ob es nicht gegen den Respekt wäre, wenn er zu der Prinzessin ginge und sich erkundigte, ob er ihr was helfen könne. Er that's endlich und sagte ganz sanft: Königliche Hoheit, befehlt nur, was Ihr von mir wollt; ich bin Euer unterthäniger Diener. – Die arme Blindekuh konnte zuerst nichts weiter antworten, als Muh!! und da erschrak der Kleine wieder, denn es klang ihm fast wie ihr gewöhnliches Puh! Dann aber kam die Prinzessin wieder zur Besinnung und sagte ganz verständlich: Ach lieber Freund! so kann ich mich doch nirgend sehn lassen; also sei so gut und führe mich weg, irgendwohin; denn ich fühle wohl, ich bin eine abscheuliche Kuh geworden, und blind wie ich bin, weiß ich auch nicht Weg und Steg. – Das rührte den Kleinen; er sagte, er werde gleich wieder da sein und stieg hinauf in den Futterboden, um ein wenig Heu zu holen und es um ihre Hörner zu wickeln, damit sie nicht so drückten. Wie er bei seiner Spatzenfamilie vorbeiging, riefen die kleinen Vögelchen:

Bitte bitt',
Nimm uns mit,
Liebster Kuhjohn!
Verdienst dir Gotteslohn.

Da nahm er das ganze Nest mit und befestigte es zwischen den Hörnern der Blindekuh auf dem Heu. Es ist zwar eigentlich gegen den Respekt, dacht' er, aber sie sieht's ja nicht. Darauf holte er noch eine lange Schnur, bat die Prinzessin, das eine Ende in den Mund zu nehmen, und so führte er sie von dannen, die Landstraße entlang, die durch den dicken dicken Wald läuft.

Nun ging die Blindekuh gesenkten Hauptes fürbaß, denn sie war sehr betrübt. Der kleine Kuhjohn schritt auch ganz verlegen nebenher und wußte sich nicht recht zu benehmen. Es ist doch eigentlich gegen den Respekt, sagte er sich, daß ich die Prinzeß so an der Nase herumführe. – Aber es half einmal nichts. Wenn die Fliegen und Bremsen kamen und die Blindekuh stechen wollten, hätte er sie gern mit seinem Taschentuch weggejagt. Das ging aber nicht an; einmal besaß er keins und dann hätte er ja die Prinzessin schlagen können, und es war ein Glück, daß er seine Spatzen mit hatte, denen rief er leise:

Fangt, liebe Spatzen,
Die Gnitzen und Gnatzen,
Die Fliegen und Mücken
Von Prinzeß Naserümpfchens Rücken!

Da waren die Vögel flink hinterher und schnappten das Geziefer alles weg. Dabei schaute der kleine Kuhjohn beständig um sich, ob er keine Kuhblume entdecken könne. Leider waren sie in dem Jahre gerade schlecht gerathen und fanden sich nur hier und da am Wege. Nun durfte der Kleine aber die Leine nicht los lassen, an der er die Prinzessin führte, rief also wieder den Vögeln:

Liebe Spatzen, pflückt geschwind
Gelbe Blumen, so viel da sind!
Bringt sie her mit Stengel und Stümpfchen;
Heilsam sind sie Naserümpfchen.