Wie bin ich nun in kühler Nacht
Im Wald herumgestrichen!
Die Bäume, noch von Regen schwer,
Die wogten tropfend hin und her;
Hätt' nicht mein Herz gebrannt so sehr,
Nach Haus wär' ich gewichen.

Die lohe Glut kein Regen mag,
Kein Thau zu kühlen taugen.
Der rothe Blitz entflammt' sie nicht,
Der jäh die schwarzen Eichen bricht;
Das that der Liebsten Angesicht
Mit den zwei lichten Augen.

Ach Gott! dachte er und hielt ein, da hab' ich wahrhaftig eine Lüge gesungen! Es ist doch ein Jammer, wenn man eine Liebste hat, die verwunschen ist und die Augen nicht aufschlagen darf; darauf ist kein einziges altes Lied eingerichtet. – Er saß so eine Weile und sann; dann sang er weiter:

Es geht ein Wehen durch den Wald,
Die Windsbraut hör' ich singen.
Sie singt von einem Buhlen gut,
Und bis sie dem in Armen ruht,
Muß sie noch weit in bangem Muth
Sich durch die Lande schwingen.

Der Sang der klingt so schauerlich,
Der klingt so wild, so trübe.
Das heiße Sehnen ist erwacht;
Mein Schatz, zu tausend gute Nacht!
Es kommt der Tag, eh du's gedacht,
Der eint getreue Liebe.


Viertes Kapitel.
Wie Fedelint durch ein Unglück ein Glück macht.

Eben war Fedelint im Begriff, seinen kühlen Sitz zu verlassen, und dachte daran, wie er doch so ein leichtsinniger Mensch sei, und nun müsse er sich eine doppelte Portion Fliederthee bei der alten Schneiderin bestellen; da rauschte es nicht gar weit von ihm in den Wellen, daß er neugierig in die Höhe sah. An einer breiteren Stelle des Wildbachs war's, da ging eine ordentliche Bucht ins Ufer hinein, rings von dichtem Busch bekränzt, daß man nicht wohl anders hinsehn konnte, als von der Stelle, wo Fedelint saß. Da mußte das Wasser gar tief sein, denn es war blau und still und kein Kiesel schimmerte vom Grunde. Ein blondes Weib tauchte aus der Tiefe auf, die langen Haare von Vergißmeinnicht und Wasserlilien gekrönt, ein griechisches langes Gewand umgeworfen, weiß und silberglänzig. Sie setzte sich, Fedelint abgewandt, auf einen der großen mit Moos überwachsenen Granitblöcke, die der Bach im Frühling mit sich hinabreißt, und begann ihre gelös'ten Haare in einen Wellenscheitel zu ordnen, wie es Fedelint bei den alten Marmorbildern der Göttinnen gesehn hatte; dabei sang sie folgendes Lied: