»Vom Botengehen wollte ich nicht leben. Die Bäuerin gibt mir für einen schweren Korb, den ich ihr aus der Stadt mitbringe, einen Silbergroschen, und wenn ich ihr auf ein paar Minuten die Karten aufschlage, gibt sie fünf Silbergroschen. Nur mein Lobo darf nicht wissen, was ich verdiene. Ich will ihm einmal eine kleine Wirtschaft kaufen, wenn er erst ein ordentliches Weib hat.«
»Wenn Ihr Geld habt, warum wohnt Ihr in der kleinen Kamorka bei uns?«
Die Wičaz lächelte überlegen.
»Die Kartenlegerin muß arm sein,« sagte sie, »muß in einer Kamorka wohnen. Und sie muß Wanzen haben. Das gehört dazu. Und in Eurer Kamorka wohne ich, weil ich eben beim Kral wohne.«
»Ah – ich verstehe Euch!«
Samo betrachtete das Weib mit steigender Verwunderung und mit großem Interesse. Aber er beherrschte sich und sagte wieder leichthin, ja spöttisch:
»Nun, ich kann mir wohl denken, was die Leute auf dem Herzen haben und was Ihr ihnen weissagen müßt: ob man das čelatko[26] großziehen oder besser dem Fleischer verkaufen soll, wieviel Junge die ranca[27] bekommen wird, und vor allem, ob der Jakub der Maruška treu ist und ob der Pilip die Marja kriegen wird.«
Die Alte war nicht gekränkt.
»Ja, das fragen sie wohl. Die Burschen fragen mich, ob sie beim Militär Gefreiter werden können, und die Mädel, ob sie im grünen Rautenkranz zum Traualtar gehen werden; die Männer, ob ihre Wirtschaft in die Höhe gehen wird, und die Weiber, was sie tun sollen, daß sie der Mann nicht prügelt. Und ich sag' ihnen immer das Richtige. Sie fragen mich auch, wo der billigste und beste Kaffee zu haben ist und von welchem Kaufmann die Schürzenbänder am besten halten. Sie zahlen immer fünf Silbergroschen dafür. Und die Kaufleute wissen mich zu schätzen. Ich habe stets besseren Kaffee getrunken als die Frau Mutter.«
Samo staunte über die menschenkundige Alte.