Ehe der Kral in die große Wendenschlacht zog, vergrub er die Krone, die er zu Burg vor allem Volk getragen hatte, an einem sicheren Orte. Im tiefsten Wald hat der Kral die Krone vergraben, an einer Stelle, wohin kein Weg noch Fußpfad führt. Einen kleinen Hügel hat er über dem Grabe des Königsschmuckes errichtet. Den haben die Kiefern mit langen, braunen Nadeln zugedeckt.
Der Kronenhügel ist ein heiliger Ort.
Der Holzschläger achtet seinen geweihten Bannkreis auf hundert Schritt. Was am Kronenhügel wächst und steht, welkt oder fällt, entsteht und vergeht nach den Gesetzen des Urwalds.
Kein Jäger schießt am Kronenhügel ein Wild. Dort ist Gottesfriede für Mensch und Tier.
Die alten Weiblein, die Pilze suchen, die Kinder, die im Walde spielen, fürchten sich, allein zum Kronenhügel hinzugehen.
Selten steht ein ernster Wende sinnend an dem Hügel; die meisten wissen gar nicht den Weg zu ihm. Sie wissen nur, in welchem Walde er liegt, und mancher, dem sonst die Kappe fest auf den Ohren sitzt, lüftet sie in heimlicher Stunde, wenn er einsam an dem Walde vorbeikommt. Auf dem Hügel ist ein einzelner Stein. Er sieht aus wie ein altersgrauer Grenzstein. Ein Hufeisen ist darauf eingedrückt.
Der Nachtjäger hat einmal Sturm geritten gegen den Hügel; aber als das Roß den Huf auf den Stein setzte, ist ihm das Eisen glühend geworden, und es ist mit dem Nachtjäger davongerast, und der wilde Jäger hat sich nimmer getraut an selbigen Ort.
Seit tausend Jahren liegt die Krone des Kral in jenem kleinen Hügel.
Wann wird die Jungfrau mit der silbernen Schaufel kommen, nach ihr zu graben?
Gott weiß es! Aber dann wird Wendenland groß und mächtig werden.