Niemand widersprach.
Noch einmal kam der Redner zu sprechen auf die großen welt- und kulturgeschichtlichen Leistungen der Slawen. Belisar, der dem Kaiser Justinian die Schlachten gewann, war ein Slawe, eine Unmenge deutscher Städte sind slawische Gründungen, ja die erste Kultur Oberitaliens war slawisch. Venedig ist weiter nichts als eine ursprünglich slawische Stadt.
Samo rückte wieder ungeduldig auf dem Stuhle hin und her. Weiter prahlte der Redner. Es sei heute eine Binsenweisheit, daß vor Christoph Kolumbus längst ein polnischer Seefahrer von Island aus Amerika entdeckt habe; in der Geschichte Christians II. von Dänemark sei das nachzulesen. Neuerdings würde auch geprüft, ob das berühmte Buch »Von der Nachfolge Christi« nicht einem Slawen statt Thomas a Kempis zuzuschreiben sei. Schließlich kam der Redner auf Rußland zu sprechen, von dessen Stärke allein die Auferstehung slawischer Macht zu hoffen sei. Hoffen wir auf den Zaren!
»At' žije!«[31] rief die Menge begeistert dazwischen.
»Ja,« schrie der Redner, »ich halte es mit unserem großen Havlitschek-Borowsky: ›Lieber die russische Knute als die deutsche Freiheit!‹«
Es gab Beifall, in den allerdings die anwesenden Russisch-Polen nicht einstimmten.
Eine Schlußapotheose des Slawentums, die dem sprachgewandten Redner gut gelang, und in der sich die Schönheit und der Reichtum der tschechischen Sprache offenbarte.
Und der Redner schloß, indem er zu singen anhub:
»Kde domov muj?«