Der Bunte fährt unbeirrt fort:
»Das heißt eigentlich auch nur ein Halbdeutscher. Aber was für einer! Er war der heimliche Sohn des Kaisers Augustus und Thusneldas, der gefangenen Gattin Hermanns des Cheruskers!«
Einige tschechische Studenten treten dicht vor das Podium und sehen den Redner scharf an. Harmlos spricht der weiter:
»Ich berichte hier nur das, was unser Forscher entdeckt hat. Die Beweisführung muß ich seiner Weisheit und Gewissenhaftigkeit überlassen. Aber wenn auch seine Resultate verblüffend sind, wenn sie auch unsere Feinde, die bluthündischen Deutschen, schwer ärgern müssen – sollen sie deshalb unausgesprochen bleiben? Nein, nein, nein!«
Zustimmung. Die Studenten treten vom Podium zurück.
»Und so sage ich euch: auch Judas Ischariot war ein Deutscher! Es ist klar erwiesen, daß sein Großvater als Kriegsgefangener von Julius Cäsar nach Rom gebracht wurde und durch Abschiebung nach Kairot ins Morgenland kam; denn Judas Ischariot ist eben Judas aus Kairot. Ich will die Ehrenliste deutscher Helden hier nicht verlängern; die Forschungen unseres Meisters, ob nicht auch der bethlehemitische Herodes deutsches Blut in den Adern hatte, sind noch nicht abgeschlossen!«
Wieder treten einige Studenten erregt vor.
»Laßt mich ein Wort sagen, slawische Brüder, über die Knechtung unseres Volkstums in Ostpreußen. Über neunzig Prozent unserer Kinder unterliegen dem Schulzwang; im slawischen Dalmatien brauchen bloß zwei Prozent der eingestellten Rekruten lesen zu können!«
»Was soll das heißen?« rief ein Student dazwischen.
»Das soll heißen, daß wir Slawen uns nicht in die deutsche Bildungszwangsjacke pressen lassen wollen. Haben wir das nötig? Neuerdings hat ja sogar ein Wiener Gelehrter zugegeben, daß das tschechische Gehirn das relativ schwerste ist, fünfzig Gramm schwerer als das deutsche!«