Die weiten Matten des Riesengebirges sind dort am breitesten und schönsten, wo der große Elbstrom seine Quellen hat. Runde dichte Knieholzgebüsche sind über den kurzen Rasen verstreut wie dunkelgrüne Kränze.
Ein leichter milder Abendwind ging über die sich weit hindehnende Elbwiese und erquickte einige Wandersleute, die, vom Gipfel des Hohen Rades herkommend, sich am Boden lagerten.
»Kolossale Fläche«, sagte ein stattlicher Fünfziger und ließ die fröhlichen, stahlgrauen Augen rundum schweifen.
»Grandiose Fläche! Und das liegt nun alles hier oben viertausend Fuß hoch und hat keinen Zweck.«
»Aber, Papa, das ist doch so schön!« entgegnete ihm seine schlanke Tochter; »sieh mal, wie sich diese weiten Wiesen hindehnen und eine so friedlich schöne Brücke sind zwischen den zwei großen Gebirgskämmen …«
»Jawohl«, unterbrach sie der Alte sarkastisch und mit imitiert flötender Stimme. »Diese epische, ruhige Breite, nur hin und wieder unterbrochen durch die Lyrismen winziger märchenhafter Knieholzwälder, deren Baumstämmchen nur so groß sind wie die Kinder und so verträumt sind wie die Kinder.«
»Papa!«
»Tja! Herrschaften, denken Sie nu ja nicht etwa, die Stelle von der epischen Wiese und von den lyrischen Kniehölzern is von mir. Keine Spur! Hier steht sie, die diese Stelle gedichtet hat – meine Tochter Elisabeth von Withold. Es hört sich großartig an sowas. Man kann sich zwar nischt dabei denken, aber es klingt nach was!«
»Papa, du hast …«